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„Muss ich denn mit dem LKW kommen?“ - Experte warnt: Terror-Sperren an Weihnachtsmärkten reichen nicht aus

Anti-Terror-Sperren wie hier am Essener Weihnachtsmarkt sollen vor Anschlägen schützen. Aber reichen sie aus?
Anti-Terror-Sperren wie hier am Essener Weihnachtsmarkt sollen vor Anschlägen schützen. Aber reichen sie aus?
Foto: Essen Marketing GmbH

Essen. Die großen Weihnachtsmärkte im Ruhrgebiet sind geöffnet. Zwischen Glühwein, Reibekuchen und „Jingle Bells“ schwingt auch in diesem Jahr wieder das (mindestens) leise Unbehagen mit: Sind wir hier sicher?

Es soll Hinweise gegeben haben, dass Islamisten der Terror-Miliz „Islamischer Staat“ (IS) einen Anschlag auf den Essener Weihnachtsmarkt und das Einkaufszentrum Limbecker Platz geplant haben könnten. Ein Mann (20) aus Essen wurde in dieser Woche vorübergehend festgenommen.

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Tragödie wie in Berlin 2016 soll verhindert werden

Und: Der Terror-Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt 2016 hat seine Spuren hinterlassen. Damals starben zwölf Menschen.

Weil Terrorist Anis Amri aus Tunesien (†24) mit einem LKW in die Menschenmenge am Breitscheidplatz gerast ist, sichern die Städte ihre Märkte mittlerweile mit Anti-Terror-Sperren. Ob Wassertanks, Betonpfeiler oder versenkbare Pöller - auch in den Ruhrgebietsstädten soll um jeden Preis verhindert werden, dass sich eine Tragödie wie in Berlin wiederholt.

Terror-Experte: „Sprenggürtel ähnlich verheerend“

Rolf Tophoven ist Direktor am „Institut für Krisenprävention“ in Essen. Er glaubt, dass die Pfeiler nicht ausreichen, um Terror-Anschläge zu verhindern.

„Überall werden jetzt diese Pöller an den Weihnachtsmärkten aufgebaut. Aber Terroristen realisieren das auch, und fragen sich dann wahrscheinlich: ,Muss ich denn mit dem LKW kommen?'". Sprenggürtel würden sich ähnlich verheerend auswirken. Oder ein Kommando mit Schusswaffen, wie etwa im Pariser Bataclan im Jahr 2015.

„Terroristen sind innovativ und flexibel“

„Terroristen sind sehr innovativ und flexibel, sie passen sich den Gegebenheiten an“, warnt Tophoven.

Und wie können wir uns stattdessen schützen? Tophoven: „Es hilft nur, konsequent jedem Hinweis auf mögliche Terror-Anschläge nachzugehen.“ Das sei so mühselig wie teuer. „Allein, um eine einzige verdächtige Person rund um die Uhr zu observieren, braucht es 20 bis 30 Polizeibeamte. Das ist personell und finanziell kaum zu stemmen.“

Immerhin: Bisher hat die Präventionstaktik der NRW-Polizei funktioniert. „Es ist der Wachsamkeit der Behörden zu verdanken, dass womöglich ein größerer Terror-Anschlag hier verhindert wurde. Das verunsichert die Szene und signalisiert: ,Wir sind da. Wir sehen euch.'“

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