Musizieren mit Fleisch und Blut

Bachs monumentale Matthäuspassion ist Oratorium, Leidensgeschichte und Barockoper zugleich. Welche Ausrichtung würde Andy von Oppenkowski dem dreistündigen Werk zwischen Meditation und Dramatik geben? Der Kantor an der Kreuzeskirche orientierte sich an Betrachtung und Klangschönheit und kam damit zu einer Wiedergabe von nachhaltigem Eindruck.

Die Stimmfülle der gut präparierten Kantorei bestach gleich im zügig ausschwingenden Eingangschor und verhalf den subtil ausgeformten, reflektierenden Chorälen zu ausdrucksstarkem Leben. Musizieren mit Fleisch und Blut war das, in den Turbae-Sätzen des wütenden Volkes auch mit dem nötigen hitzigen Biss.

Mit dem Essener Barockorchester setzte von Oppenkowski wieder auf ein historisch ausgerichtetes und gegenüber den Sängern ausbalanciertes Instrumentalbild: mit Darmsaiten bespannte, zart tönende Streicher und Holzbläser von erlesen pastoraler Färbung.

Unter den Solisten war Valdemar Villadsen in der tragende Rolle des Evangelisten schlichtweg überragend – leichtgängig (auch in den melismatischen Tenorarien), feingliedrig und kantabel aufblühend. Markus Volpert verlieh daneben den Jesusworten sonore baritonale Würde, Wolfgang Tombeux den übrigen Soliloquenten Charakterschärfe. Dazu boten Dorothea Brandts soubrettenhaft schillernder Sopran und Elvira Bills substanzreicher Alt ein adäquates Pendant.

 
 

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