Musical-Stars von morgen singen im Colosseum vor

Verena Kensbock
Sie haben Lust auf die Prinzenrolle: 18 Jungen ließen sich im Colosseum gestern vom musikalischen Leiter Paul Christ beim Vorsingen begleiten.
Sie haben Lust auf die Prinzenrolle: 18 Jungen ließen sich im Colosseum gestern vom musikalischen Leiter Paul Christ beim Vorsingen begleiten.
Foto: WAZ FotoPool
Vorsingen für das Musical „Elisabeth“ im Colosseum: Wer die Prinzenrolle ergattern will, braucht Stimme und Disziplin. 18 Bewerber waren gut vorbereitet. Im Februar ist dann Premiere für die ausgewählten jungen Sänger.

Essen. Schon bevor es richtig losgeht, ist die Aufregung groß: Einige Jungen singen sich ein, andere blödeln herum. 18 potenzielle Prinzen sitzen in der Kantine des Colosseum Theaters Essen und warten auf ihren großen Auftritt.

Sie alle wollen die Rolle des Prinzen Rudolf ergattern, dem Sohn der österreichischen Kaiserin Sissi im Musical „Elisabeth“. Vom 25. Februar bis zum 22. März 2015 wird das Stück wieder in Essen gespielt. Die Kinderrolle wird traditionell mit jungen Sängern aus dem jeweiligen Gastspielort besetzt. Bewerben durften sich Jungen im Alter von sieben bis 14 Jahren. Vier bis fünf von ihnen werden ausgewählt und ein bis zwei Mal in der Woche auf der Bühne stehen.

Idealmaß um acht Zentimeter überschritten

Im Ballettsaal geht es dann los. Zum Aufwärmen singt die Gruppe ein Geburtstagsständchen für den Bewerber Jan, der an diesem Tag elf Jahre alt wird. Der musikalische Leiter Paul Christ sitzt am Klavier und begleitet die kleinen Sänger.

Unter den Bewerbern ist auch der zehnjährige Jonathan Späth aus Bredeney, der von allen Joni genannt wird. Schon vor zwei Jahren hat er Rudolf gespielt, trotzdem wollte er sich noch einmal bewerben. „Es hat so Spaß gemacht und ich kenne viele, die ich wiedersehen wollte.“ Ob er sich gute Chancen erhofft? „Ich glaube schon, dass ich gute Chancen habe“, sagt Jonathan schüchtern, der die letzten drei Tage für das Casting geübt hat. „Aber ich bin trotzdem ganz schön aufgeregt.“ Nur seine Größe könnte für Jonathan zum Problem werden. Schließlich ist er gewachsen und überragt das Idealmaß von 1,40 m um acht Zentimeter.

Erfahrung ist kein Vorteil

Jetzt wird es ernst: Alle hatten die Aufgabe, das Solo „Mama, wo bist du?“ einzustudieren – das traurige Lied vom kleinen Prinzen, der seine Mutter vermisst. Jetzt stehen sie im Halbkreis um das Klavier und singen es zusammen. Alle können den Text in- und auswendig. Später müssen die Jungen es noch einmal alleine vortragen, während die Eltern in der Kantine warten.

Mona Helena Kern vom Company Management der Elisabeth-Tour ist für das Kinder-Casting zuständig. Auf ihrer dritten Tournee hat sie ein Auge dafür entwickelt, welche Kinder in Frage kommen.

„Es ist nicht schlimm, wenn die Kinder noch keine Erfahrungen haben“, erklärt die 25-Jährige. „Im Gegenteil: Zu einer Kinderrolle im Musical passt eine ungeformte Stimme sehr gut.“ Vor allem sei es aber eine Typfrage. „Man merkt schnell, welche Kinder den Prinzen gut verkörpern und ob sie diszipliniert sind.“ Dabei nehmen die wenigsten die Rolle auf die leichte Schulter. „Die Kinder haben wirklich Respekt. Dafür sind sie am Ende aber auch besonders stolz.“ Und die Mütter werden in den ersten Reihen dahinschmelzen. Karten gibt’s im Vorverkauf unter 01806-57 00 99.