Munsch macht mobil

Andre Bausch reißt die Arme hoch und Jason Munsch klatscht - 1:0 für Essens Amateure. Foto: Rennemeyer
Andre Bausch reißt die Arme hoch und Jason Munsch klatscht - 1:0 für Essens Amateure. Foto: Rennemeyer
Foto: WAZ FotoPool

Altenessen.. „Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unser Jason nicht!“ Noch lange nach dem Abpfiff kriegen sich die angereisten Heidhauser Fans nicht mehr ein.

Ihr Mann mit der Elf auf dem Rücken hatte in allerletzter Sekunde für den Ausgleichstreffer gesorgt. 2:2 hieß es nach 90 spannenden Minuten zwischen dem neu zusammengestellten Kader von NRW-Ligist Rot-Weiss-Essen und einem „Best-Of“ des Essener Amateurfußballs. Zum Vergleich: Die Erstauflage des „Auf-Asche-Duells“ vor einem Jahr endete 9:0 für Rot-Weiß!

Was für ein denkwürdiger Sommertag. Eine leichte Brise kühlt die Luft auf angenehmes Temperaturniveau, Kinder verteilen Stadionhefte und sammeln Spenden für den Förderturm e.V., dem auch der Reinerlös des Ereignisses zugute kommt, Onkel Hermanns Bratwurst-Brigade legt Krakauer nach, RWE-Fahnenschwenkerinnen stehen auf dem Platz bereit, doch der CD-Spieler von Stadionsprecher Richard Röhrhoff klemmt.

Als er wieder stotternd ins Laufen kommt, trällert es „RWE, Du bist mein ABC“, ein ganzer Block singt mit. Waldemar Wrobel, neuer Trainer an der Hafenstraße, freut sich auf eine spannende Partie. Sein Gegenüber Otto Prell vom Vogelheimer SV, der seinen Kader aus Essener Amateurligisten, die die Leser des Magazins Auf Asche per Abstimmung zusammengestellt hatten, in nur einer Woche auf das Spiel vorbereitete, verspricht flotten Angriffsfußball. Beide behielten Recht.

Als mit gut 20 Minuten Verspätung der Ball ins Rollen kommt, ist der krasse Außenseiter am Drücker. Mit dem ersten ernsthaften Angriffsversuch netzt der Altenessener Marius Topolko ein (2.). André Bausch und Jason Munsch vom SC Werden-Heidhausen sind erst einmal Bankdrücker. Fuchs Prell wird sich etwas dabei gedacht haben. Das frühe Tor scheint einen kleinen Zuschauer für die Amateure einzunehmen. „Bist Du auch für Asche?“, fragt er seinen Vati. Der knurrt: „Klar, Asche kann man immer brauchen.“

RWE reagiert wütend und erspielt sich klare Feldvorteile. Angriffswelle um Angriffswelle rollt auf den gegnerischen Strafraum zu. Doch entweder schnappt die gut eingespielte Abseitsfalle zu, oder beim Abschluss fehlt die letzte Konsequenz. Zum Mann des Tages neben Munsch avanciert Torwart Michael Methner vom SV Burgaltendorf. „Schnapper“ kratzt Hundertprozentige aus dem Winkel und sortiert seine Abwehr mit klaren Kommandos. Das geht gut, obwohl es im Strafraum permanent brennt. Die Auf-Asche-Top-Elf verlegte sich auf gelegentliche Konter und bekommt einen Strafstoß zugesprochen. Ein schneller Angriff beschert die Riesenchance zum 2:0. Nach einem der wenigen Fouls in dieser engagiert aber fair geführten Begegnung gibt es Elfmeter für „Asche“. Zehner Björn Barke leg sich den Ball zurecht. Platziert, aber nicht eben hart, will er ihn im rechten unteren Eck unterbringen. RWE-Torwart Dennis Lamczyk hat es gedibbert. Es bleibt beim 1:0 (37.). Startsignal zur Schlussoffensive: Im x-ten Versuch kriegt Kerim Avci einen Knochen hinter das Leder (45.). Mit dem für die „Top-Elf“ durchaus schmeichelhaften Unentschieden ging es in die Pause.

Sie bietet Lichtblicke: Munsch und Bausch, der beim Debakel 2009 dabei war, machen sich warm. Der Bierausschank muss von Gläsern auf Becher umstellen, denn ein unvorteilhaft abgestellter Twingo blockiert die Spülwasserversorgung.

RWE geht mit komplett neuer Mannschaft in den zweiten Durchgang und tritt deutlich ruppiger auf. Munsch läuft aufs satte Grün, Bausch zieht seine Bahnen am Spielfeldrand und holt sich Instruktionen von Prell und seinem Co. Zehn Minuten nach Wiederanpfiff ist der lange Libero aus Heidhausen im Spiel und sorgt nach einer Ecke prompt per Kopf für Gefahr.

Aber RWE bleibt am Drücker. Ein Lattenkracher gerät zur sehenswertesten Szene (75.). Fünf Minuten später steht der Lange mit der einzig zulässigen Rückennummer fünf im Mittelpunkt. In höchster Not klärt er zur Ecke. Seine Kameraden spenden Szenenapplaus. Dass der Favorit aber diese Standardsituation zum Führungstreffer nutzt, nein dafür kann er nichts (80.).

Die meisten dachten nun, der Drops sei gelutscht. RWE schien näher am 3:1 als die Auswahl am Ausgleich.

Dann geschieht etwas, was es nur im Fußball geben kann. Letzte Kraft und letzten Mut zusammengenommen inszeniert die Prell-Elf einen letzten Angriff. Irgendwie landet das Leder bei Jason Munsch und irgendwie bugsiert er ihn ins Netz (90.). Der Schiri pfeift nicht mehr an.

Nach dem Abpfiff: Freibier (aber nur Radler). Der Renault steht immer noch auf dem Schlauch, Maskottchen „Allbau-Anton“ tanzt Pogo mit sich selbst und der Stadionsprecher richtet Munsch einen „ganz lieben Gruß von seiner Nummer 19“ aus.

Wer hinter dem Pseudonym steckt, war allerdings trotz intensiver Recherche bislang nicht zu ermitteln.

 
 

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