Müll wird weiter in Essen verbrannt

Die künftige Restmüllentsorgung für die Stadt Essen ist geklärt: Bis 2024 geht der Inhalt aus den rund 120.000 Grauen Tonnen weiterhin ins Müllheizkraftwerk Karnap (die NRZ berichtete). Vertragspartner bleibt damit die RWE Generation. Die entsprechenden Verträge wurden nach europaweiter Ausschreibung am Dienstag durch die Entsorgungsbetriebe Essen (EBE) unterzeichnet. Für die Essener heißt das: Es ändert sich im Prinzip nichts.

EBE und Stadt zeigten sich zufrieden: Mit den neuen Vereinbarungen besteht in Essen Entsorgungssicherheit auf lange Sicht. Nach zehn Jahren Laufzeit sind über Verlängerungsoptionen bis zu vier Jahre Zuschlag möglich. Für weitere Teilmengen (Sperrmüll, Siedlungsabfälle von den Recyclinghöfen und Restmüll aus Kleingewerbebetrieben) wurden Verträge bis 2018 geschlossen, ebenfalls mit Verlängerungsklausel. Insgesamt geht es um ein Volumen von bis zu 183.000 Tonnen Abfall pro Jahr zur Verbrennung.

Mit der Entsorgung in der RWE-Anlage im Essener Norden erfüllt die EBE für Essen das in den gesetzlichen Grundlagen geforderte Prinzip der Nähe nach eigener Einschätzung optimal. Es gebe kurze Wege, die keinen zusätzlichen Umschlag des Restmülls über Zwischenlager erfordern. Das sei ein auch ökologisch sinnvolles Ergebnis.

Aus Sicht der Grünen im Rat der Stadt sind die durch die Ausschreibung erzielten Preise zunächst einmal erfreulich. Sie zeigten aber auch, dass sich RWE verzockt habe, meint Fraktionschefin Hiltrud Schmutzler-Jäger: „Es war richtig, dass wir uns frühzeitig gegen einen völlig überteuerten und risikobehafteten Kauf der Anlage durch die Städte Essen, Gelsenkirchen und Bottrop ausgesprochen haben.“

Umweltgewinn unsicher

Andererseits sei beim jetzigen Ausschreibungsergebnis noch lange nicht sicher, ob dies auch für die Umwelt ein Gewinn ist. Das Land NRW habe derzeit Überkapazitäten bei den 16 Hausmüllverbrennungsanlagen von rund 1,3 Millionen Tonnen im Jahr. Mit den 183.000 Tonnen aus Essen ist die Anlage in Karnap, die eine Kapazität von 680.000 Jahrestonnen hat, gerade einmal zu 26 Prozent ausgelastet. Selbst wenn noch der Rest- und Sperrmüll aus Gelsenkirchen (108.000 Jahrestonnen) und Bottrop (38.000 Jahrestonnen) hinzukommt, ist die Anlage nur zu etwas mehr als die Hälfte ausgelastet, so die Rechnung der Grünen. Es verbleiben auf jeden Fall 350.000 Jahrestonnen, für die RWE aus Gründen der Wirtschaftlichkeit nach Müll in Europa ausschauen werde. „Wir sehen mit Sorge, dass hier einem Mülltourismus Tür und Tor geöffnet ist“, sagt Schmutzler-Jäger.

Gleichzeitig fragen sich die Grünen, wie die langfristige Geschäftspolitik des in die Krise geratenen Konzerns RWE aussieht. Vor einem Jahr wollte RWE das MHKW noch loswerden und habe nun eine Kehrtwende vollzogen. Eon habe sich komplett vom Müllgeschäft getrennt und seine Müllverbrennungsanlagen an Finanzinvestoren verkauft. Es bleibt fraglich, so die Grünen, ob dem MHKW Karnap in wenigen Jahren nicht das gleiche Schicksal widerfahre. Die Grünen sehen Anlas zur Sorge, „dass wir überhaupt keinen Einfluss darauf nehmen können, woher der Müll nach Karnap herangeschafft wird.“

 
 

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