Mord nach dem Pausenklingeln – Krimi mit Essener Lokalkolorit

Sein liebster Arbeitsplatz ist im Sommer der heimische Balkon: Autor Klaus Hell plant bereits einen neuen Kriminalroman. Im Herbst und Winterwill er aber zunächst einmal an verschiedenen Orten aus „Unter Chiffre“ lesen.
Sein liebster Arbeitsplatz ist im Sommer der heimische Balkon: Autor Klaus Hell plant bereits einen neuen Kriminalroman. Im Herbst und Winterwill er aber zunächst einmal an verschiedenen Orten aus „Unter Chiffre“ lesen.
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Klaus Hell war Lehrer für Erdkunde und Physik. Nun hat er seinen neuen Kriminalroman „Unter Chiffre“ vorgelegt. Ein Buch mit viel Lokalkolorit.

Essen.. Sie morden im Norden, töten im Taunus und ermitteln in der Eifel: Krimis mit Lokalkolorit sind eine echte Erfolgsgeschichte in der deutschen Literaturlandschaft. Und auch mitten durch Essen zieht sich nun eine frische Blutspur: Sie führt von der Zeche Zollverein im Norden, wo Kommissar Stresemann zu Hause ist, bis nach Heidhausen, wo eines Tages ein Internatserzieher nahe der Schule ermordet aufgefunden wird. Überfall oder Beziehungstat?

Ausgelegt hat die Spur der Essener Autor Klaus Hell. Geboren am Niederrhein, aber seit Jahrzehnten in Bredeney zu Hause, hat der pensionierte Studienrat nun seinen zweiten Roman vorgelegt. „Unter Chiffre“ ist ein Buch, das nach dem Vorgänger-Roman „Die Sache mit Mia – fast ein Krimi“ diesmal nicht nur von Schuld und Sühne und düsteren Schatten der Kindheit erzählt, sondern auf richtige Verbrecherjagd geht: Sex, Drogen und verräterische Kontaktanzeigen inklusive.

„Die Geschichte“, erklärt Hell, „ist natürlich vollends frei erfunden.“ Genauso wie die Existenz eines Essener Internats. Trotzdem sorgt die Spurensuche zumindest bei Essenern für jede Menge Wiedererkennungswert zwischen City-Center und still gelegtem Starenkasten am Werdener Berg. Und sie nimmt auf 210 Seiten immer wieder Bezug zur Vergangenheit des Erzählers. Kommissar Stresemann nämlich hat seine Jugend wie der Autor selber im Internat verbracht.

"Entscheidend ist, dass man glaubwürdig rüberkommt"

Entsprechend dringlich gelingt Hell die Beschreibung einer strengen, asketischen katholischen Erziehung Anfang der 1960er Jahre mit Morgenmesse und Schweigepflicht, die aus dem Essener Kommissar einen „äußerst pflichtbewussten, kompetenten und unglaublich kollegialen“ Mann gemacht hat, der es beruflich gut getroffen hat, privat aber auch unter seiner kaputten Internats-Jugend leidet“, beschreibt Hell seine Hauptfigur.

Um auch den Berufsalltag seines musisch interessierten Kriminalbeamten möglichst genau zu schildern, hat Klaus Hell die Abläufe von Polizeiarbeit mit Hilfe eines befreundeten Hauptkommissars gründlich recherchiert. Wie lange dauert eine DNA-Untersuchung? Und welcher Ton herrscht auf dem Revier? „Entscheidend ist, dass man glaubwürdig rüberkommt“, findet Hell. Das gilt nicht nur bei der Schilderung der Ermittlungsarbeit, sondern auch bei der Beschreibung von Schauplätzen. Mal bummelt Stresemann an der Lichtburg vorbei, wo die Leute für Atze Schröder anstehen. Mal lässt sich Kollege Schimaniak auf ein Bier in der „Eule“ sehen, die auch Hell nicht ganz unbekannt ist.

„Ich muss den letzten Satz kennen“

Um Verdächtige nicht zu früh zu verraten oder inhaltliche Widersprüche zu übersehen, hat sich Hell außerdem einen Kreis von „Mitlesern“ zugelegt, denen er den Roman kapitelweise zum Probelesen geschickt hat. Mal ist dabei aufgefallen, dass ein Autolack unbeabsichtigt die Farbe gewechselt hatte. Mal fand jemand eine Spur allzu deutlich ausgelegt. Solche Anregungen hat Hell, der in seinem Lehrerleben Physik und Erdkunde unterrichtet hat und nun der Fabulierlust freie Bahn lässt, gerne aufgenommen.

Ganz ohne Plan und Struktur freilich mag der pensionierte Lehrer auch nicht schreiben. Ein Handlungs-Gerüst ist für ihn Voraussetzung und auch für den geplanten Nachfolge-Krimi gilt: „Bevor ich den letzten Satz nicht kenne, kann ich nicht anfangen zu schreiben.“

Klaus Hell, Unter Chiffre, 210 S. 12,60 Euro, www.suedwestbuch.de

 

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