Mord an Tantra-Masseurin – lebenslange Haft für 35-Jährigen

Das Essener Schwurgericht hat Boris S. wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.
Das Essener Schwurgericht hat Boris S. wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.
Foto: Christof Koepsel
Das Essener Schwurgericht hat am Donnerstag einen 35-jährigen Mann wegen Mordes an einer Tantra-Masseurin zu lebenslanger Haft verurteilt.

Essen.. Mord. Lebenslange Haft. Boris S. (35) senkt kurz den Kopf, als er am Donnerstag hört, dass das Essener Schwurgericht ihn für den Tod der Essener Tantra-Masseurin Simone S. verantwortlich macht. Keinen Zweifel hat die Kammer nach acht Prozesstagen in diesem reinen Indizienprozess. Richter Andreas Labentz: “Er ist der Täter.”

Der aus Köln stammende Angeklagte hatte vor Gericht zum Tatvorwurf geschwiegen. Sein letztes Wort, nachdem seine Verteidigerin Christine Schwan Freispruch aus Mangel an Beweisen gefordert hatte, klang nicht gerade wie das eines Unschuldigen: “Ich schließe mich den Worten meiner Verteidigerin an und möchte nichts mehr hinzufügen.”

Liebhaber führte ein Leben als Betrüger

In der Urteilsbegründung erinnerte Richter Labentz an die Beziehung des Angeklagten zu der in Rüttenscheid in ihrem Studio arbeitenden Masseurin. Die Tantra-Massage ist zwar sexuell stimuliert, allerdings auf einer esoterisch anmutenden Ebene.

Zum Geschlechtsverkehr muss es nicht kommen. Boris A. war dort als Kunde aufgetaucht, zu ihm entwickelte die 55-Jährige allerdings ein sexuelles Verhältnis. Was sie nicht wusste: Ihr Liebhaber führte seit zehn Jahren ein Leben als Betrüger, spielte den reichen Mann, der er nicht war.

Simone S. sah in ihm aber die große Chance, ihren alten Wunsch zu verwirklichen: ein Tantra-Dorf auf dem Land. Boris A. sollte das Geld geben, planen sollte das Ganze ein 54 Jahre alter Architekt aus dem Münsterland, ebenfalls ihr Kunde und Liebhaber.

Am 13. November flog die Scheinexistenz von Boris A. auf. Der Architekt, der sich mit Grundstückskäufen im Vertrauen auf das Geld des Kölners mit 6,7 Millionen Euro überschuldet hatte, klärte die Masseurin am Telefon auf, dass Boris A. ein Hochstapler sei.

Schlag auf Hinterkopf und 29 Messerstiche

Richter Labentz: “In diesem Moment begann seine Fassade zu bröckeln.” Simone S. muss ihm in ihrer Wohnung in Frohnhausen Vorhaltungen gemacht haben. Als sie ihm später den Rücken zukehrte, muss er ihr zunächst mit einem “stumpfen Gegenstand” auf den Hinterkopf geschlagen haben.

Anschließend versetzte er ihr 29 Messerstiche. Danach legte er ihren Leichnam in die Wanne, reinigte akribisch die Wohnung. Labentz: “Die Kripo-Beamten konnten auf den ersten Blick nicht einmal erkennen, wo in der Wohnung der genaue Tatort war.”

Indizien sind es, die das Gericht überzeugten: Der Todeszeitpunkt passt exakt zu dem Zeitpunkt, in dem Boris A. nach eigenen Angaben bei der Polizei in der Wohnung gewesen sein will. Auch seine Handydaten belegen das. Nachts könne nur er es gewesen sein, der zwei SMS vom Handy der Toten abschickte, um den Verdacht auf den Architekten zu lenken.

Minimale DNA-Spuren in seinem Auto

Am Morgen nach dem Mord hätte er zudem falsche Spuren gelegt und versucht, sich der Polizei zu entziehen. Er sei auch der Einzige, der ein Motiv gehabt hätte, als seine Betrügermasche enttarnt wurde. Hinzu kämen minimale DNA-Spuren in seinem Auto, die zum Opfer passten.

Staatsanwalt Joachim Lichtinghagen hatte zuvor die Indizienkette eindeutig belastend genannt und lebenslange Haft beantragt. Verteidigerin Christine Schwan hatte in ihrem relativ kurzen Plädoyer vor einer Verurteilung gewarnt: “Wir wissen nicht, was in der Wohnung passiert ist. Wir haben viele Indizien, aber sie reichen nicht.”

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