Essen

Molotow-Cocktails auf Teestube: Stimmung beim Strafprozess ähnelt lockerem Familientreff

18 Angeklagte und 39 Anwälte saßen am Freitag im Gerichtssaal.
18 Angeklagte und 39 Anwälte saßen am Freitag im Gerichtssaal.
Foto: Dominik Göttker
  • Am Freitag startete der Prozess gegen 18 Angeklagte
  • Sie sollen an einem Brandanschlag gegen eine türkische Teestube beteiligt gewesen sein
  • Doch Anträge verzögern das Verfahren

Essen. Es ist ein Mammut-Prozess: 18 Angeklagte, 39 Anwälte, 56 angesetzte Prozesstage. Doch der erste Tag des Strafprozesses wegen des Angriffes auf eine türkische Teestube in Essen-Kray im November 2016 ähnelte mehr einem Familientag als einer Verhandlung, in der den Angeklagten 10 Jahre Gefängnis drohen.

Da winken sich am Freitagmorgen die kurdischen Angeklagten und Zuschauer fröhlich zu, mutmaßliche Schwerverbrecher heben die Hand zum Peace-Zeichen und eine Angeklagte kommuniziert über Zeichensprache mit einer Freundin auf den Zuschauerbänken.

Insgesamt mutete der Auftakt wie ein fröhliches Familientreffen an. Zahlreiche Kinder liefen durch die Gänge des Landgerichts, mehrere Dutzend Menschen warteten vor den Toren des Saals, weil die Zuschauerbänke im Saal schon früh am Morgen gefüllt waren.

Niedere Beweggründe als Motiv?

Und auch die Juristen taten ihr Übriges, um den eigentlichen Beginn der Verhandlung zu verhindern. So konnte auch vier Stunden nach eigentlichem Beginn immer noch nicht die Anklage verlesen werden.

Der Grund: Eine Worterteilung bezüglich eines Befangenheitsantrags gegen den Vorsitzenden Richter Volker Uhlenbrock wurde nicht zugelassen. Seine Kammer soll nach Einreichung der Anklageschrift durch die Staatsanwaltschaft darauf hingewiesen haben, dass aufgrund des politischen Hintergrunds der Tat auch das Mordmerkmal „niederer Beweggrund“ infrage käme.

Keine Anklageverlesung bis zur Mittagspause

Nach kurzer Beratung entschied das Gericht, dem entsprechenden Anwalt nicht direkt das Wort zu erteilen. Der Prozess hätte weitergehen können.

Jedoch stellten bis zur Mittagspause noch mehrere Verteidiger verschiedenste andere Anträge, was dafür sorgte, dass bis zur Mittagspause um 13 Uhr noch immer keine Anklage verlesen werden konnte.

Und auch nach dem Mittag ging es schleppend weiter. Erst um kurz vor 18 Uhr konnte die Staatsanwaltschaft die Anklage verlesen. Die Abarbeitung der Anträge wurde auf den nächsten Verhandlungstag verschoben.

 
 

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