Mit Handicap aufs Meisterschafts-Treppchen

Tanzlehrer Thomas Püttmann-Lentz (im Hintergrund) gibt Anweisungen.
Tanzlehrer Thomas Püttmann-Lentz (im Hintergrund) gibt Anweisungen.
Foto: WAZ
Zu den „Crazy Rockers“ gehören Menschen mit und ohne Behinderung. Derzeit üben sie für die HipHop-Weltmeisterschaft und das Inklusions-Musical.

Essen. „Und gleich nochmal. Jeder so wie er kann“, ruft Tanzlehrer Thomas Püttmann-Lentz. Er tanzt vor und gibt Anweisungen. Den Tänzern stehen die Schweißperlen auf der Stirn, aber sie folgen dem Aufruf mit Begeisterung. Alle versuchen, die Bewegungen zu kopieren, jeder so fließend wie er kann. Das funktioniert schon so gut, dass die „Crazy Rockers“ bereits zum zweiten Mal in Folge an den Weltmeisterschaften im HipHop in der Para-Klasse teilnehmen. Bei der Deutschen Meisterschaft belegten sie in diesem Jahr erneut den dritten Platz.

Die Gruppe besteht fest seit Januar 2014. Die sieben geistig oder körperlich behinderten Teilnehmer kommen aus der Wohngruppe des Integrationsmodells an der Billebrinkhöhe. Jeder von ihnen hat einen Tanzpartner ohne Behinderung. Bis vor kurzem waren noch zwei Rollstuhlfahrer dabei, die jedoch aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden mussten. Deshalb bemüht sich Birgit Franz vom Integrationsmodell nun um Teilnehmer aus den anderen Wohngruppen. Das Training hilft den Behinderten laut Franz auch im Alltag: „Durch die Erfolge sind sie selbstbewusster und trauen sich mehr zu.“ Gruppenmitglied Jochen wurde Zweiter im Einzelwettbewerb und zeigte sich bei der Siegerehrung zu Tränen gerührt. „Er hätte nie geglaubt, mal alleine einen Pokal holen zu können“, ist Tanzlehrer und Initiator Thomas Püttmann-Lentz stolz auf seinen Schützling. Birgit Franz war eigentlich nur für die Organisation zuständig. Doch schnell hat auch sie das Tanzfieber gepackt.

"Es macht einfach nur Spaß"

Auftritts-Möglichkeiten gibt es derzeit viele. Die Tänzer stehen beispielsweise im September auch beim Inklusions-Musical „Grand Hotel Las Vegas“ auf der Bühne. Dabei sind die „Crazy Rockers“ schon echte Profis mit viel Auftritts-Erfahrung. Bereits ein halbes Jahr nach der Gründung nahmen sie an den Deutschen Meisterschaften im HipHop teil - und wurden prompt Dritte. Birgit Franz war zunächst geschockt, als sie von der Anmeldung erfuhr: „Ich dachte zuerst an einen Scherz.“ Durch den Podestplatz qualifizierten sie sich für die WM in Bochum, bei der sie Bronze knapp verpassten und Vierte wurden.

Dieses Jahr sind die Ziele höher gesteckt. Püttmann-Lentz, selbst bereits Weltmeister in lateinamerikanischen Tänzen, ist optimistisch: „Wir wollen Zweiter werden, das Treppchen sollte es mindestens sein.“ Dazu werden Extraschichten eingelegt, die Gruppe trainiert nun zweimal statt einem Mal in der Woche. Dienstags wird die Choreografie für das Musical einstudiert, am Wochenende geht es mit professionellen Tänzern daran die Formationen für die Weltmeisterschaft zu trainieren. Doch die Teilnehmer sehen sich mit dem Aufwand nicht überfordert. Anita, die bei den Deutschen Meisterschaften im Solo Dritte wurde, ist Feuer und Flamme: „Es macht einfach nur Spaß und ich freue mich jedes Mal aufs Tanzen.“

 
 

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