Mit Entspannung gegen chronische Kopfschmerzen

Patientin Anne Lauprecht (Mitte) mit ihrer Mutter Eva (r.) und Yoga-Lehrerin Dania Schumann.
Patientin Anne Lauprecht (Mitte) mit ihrer Mutter Eva (r.) und Yoga-Lehrerin Dania Schumann.
Foto: Michael Korte
  • Bei der Essenerin Anne Lauprecht sind chronische Kopfschmerzen ein Dauerbegleiter
  • Sie nimmt jetzt an einer Studie des Uni-Lehrstuhls für Naturheilkunde und Integrative Medizin teil
  • Dabei soll untersucht werden, ob Yoga als Entspannungsmethode eine Therapiemethode ist

Essen.. Anne Lauprecht ist eine engagierte junge Frau. In der Oberstufe des BMV-Gymnasiums in Holsterhausen. In der Freizeit, früher als Leistungsschwimmerin, jetzt mit dem Selbstverteidigungs-Sport „Krav Maga“. Und als 16-Jährige, die interessiert das politische Geschehen verfolgt, steht sie mitten im Leben. Nur muss die Essenerin immer wieder Zwangspausen einlegen: Von der Schule. Vom Sport. Vom Alltag. Grund sind chronische Kopfschmerzen. Mit Yoga und einer Studie hofft sie jetzt auf Besserung.

Vor eineinhalb Jahren kamen die Kopfschmerzen – wieder und wieder. Seit jetzt einem Jahr wird Anne Lauprecht von chronischen Schüben gequält, die ihr Dauerbegleiter geworden sind. „Ich kann mich nicht mehr konzentrieren, Buchstaben nicht mehr erkennen, nicht mehr lesen“, erklärt die Schülerin, die derzeit bis zu zehn Migräne-Anfälle pro Monat hat. Dann ist weder an Alltag, noch an Hausaufgaben noch an Unterricht zu denken, was nicht alle Lehrer verstehen. „Ich liege im Bett, höre möglichst wenig Geräusche, es ist dunkel. Man wird apathisch. Aber irgendwann sind die Schmerzen dann weg.“

Die Tochter zweier Fachärzte ging auf Spurensuche, war in der Essener Kopfschmerz-Ambulanz. Hormone? Gene? Stress? Die Ursache blieb im Dunkeln, wie bei vielen Patienten mit chronischen Kopfschmerzen. Die tauchen bei Jugendlichen immer häufiger auf. Die Essenerin erhielt Medikamente wie Beta-Blocker und Triptane. Besser wurde es dann, wenn sie zum Pfefferminzöl griff. Das linderte die Schmerzen. „Entspannung tut meinem Körper gut. Und mir“, spürt die Schülerin.

Schübe quälen Geist und Körper

Anne Lauprecht las sich in Fachpublikationen ein, suchte Kontakt zu Betroffenen in ihrem Alter und wurde auf eine Studie aufmerksam, die die Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin der Kliniken Essen-Mitte vorbereitet. „Anders als bei Erwachsenen ist die Studienlage zum Einsatz von Yoga in der Jugendmedizin überschaubar. Wir wollen überprüfen, ob Yoga bei Kopfschmerzen die Situation verbessern kann und ein Therapieangebot jenseits von Schmerzmitteln ist“, erklärt Dennis Anheyer. Der betreut die Studie als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Uni-Lehrstuhl für Naturheilkunde und Integrative Medizin und hat neben den Kliniken Essen-Mitte das Elisabeth-Krankenhaus als Partner. Und er forscht als Betroffener: Anheyer litt selbst an Spannungskopfschmerzen und hat diese, unter anderem dank Yoga, weitgehend im Griff. Anne Lauprecht hofft auf genau diese heilsame Wirkung und auf eine Therapie, die sie schon einsetzen kann, bevor die pochenden Schmerzschübe in ihrem Kopf aufziehen und dann Geist und Körper quälen.

Drei Monate wird die 16-Jährige im Rahmen der Studie einmal wöchentlich Yoga machen. Mit Mutter Eva. In vier Gruppen mit unterschiedlicher Aufgabenstellung ist neben den betroffenen Jugendlichen auch ein Elternteil dabei. Die Ergebnisse der auf sechs Monate angelegten Studie werden dann verglichen und ausgewertet.

An der Studie können Jugendliche im Alter von 12 bis 16 Jahren teilnehmen, die an mindestens vier Tagen im Monat unter Spannungskopfschmerz und/oder Migräne leiden.

Sie sollten nicht regelmäßig Yoga praktizieren. Zudem sollte ein Elternteil bereit sein, am Yogaprogramm teilzunehmen.

Die Studie startet im September. Kontakt: 174 13152, studien-nhk@kliniken-essen-mitte.de, Stichwort „Kinder-Yoga“.

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