Mit einem Platten auf dem Schlauch

Auch ein altes Rad will für die Saison wieder fit gemacht werden: Derzeit herrscht Hochbetrieb bei den Fachgeschäften in Essen. Leonie Frese vom Zweiradmeisterbetrieb van Buer in Frintrop repariert einen Hinterreifen.
Auch ein altes Rad will für die Saison wieder fit gemacht werden: Derzeit herrscht Hochbetrieb bei den Fachgeschäften in Essen. Leonie Frese vom Zweiradmeisterbetrieb van Buer in Frintrop repariert einen Hinterreifen.
Foto: FUNKE Foto Services
Ausgebuchte Werkstätten, Verkaufs- und Beratungsgespräche im Minutentakt: Besonders gefragt sind E-Bikes.

Wer ein wenig mit Flickwerkzeug umgehen kann, sollte seinen platten Fahrradschlauch in diesen Tagen besser selbst austauschen. Denn der März ist für die Essener Zweiradgeschäfte traditionell einer der arbeitsreichsten Monate. In den Läden herrscht überall rege Betriebsamkeit, die Kunden kommen frisch aus der Winterdepression und wollen ihr altes Rad wieder fit machen lassen für die Saison oder sich gleich ein neues zulegen.

„Die Werkstatt läuft bei uns derzeit über“, sagt Stephan Klasen, Inhaber des Fachgeschäftes „Bergetappe“ in Kupferdreh. „Das gute Wetter der vergangenen Tage war eine wahnsinnige Initialzündung.“ Wartezeit für einen Schlauchwechsel? Locker eine Woche. Verkaufs- und Beratungsgeschäfte führt Klasen, der sich aufs eher hochpreisige Segment spezialisiert hat, im Minutentakt. Dabei im Einsatz: Sein neuer „Guru“ – ein Vermessungssystem, das mit einer weltweiten Datenbank arbeitet und dem Kunden ein perfekt auf seine Maße abgestimmtes Fahrrad anbietet. Egal ob das ein Trekkingrad ist, eine sündhaft teure Rennmaschine oder ein Kinderfahrrad.

Mountainbike mit Elektromotor

Oder sogar ein Mountainbike mit Elektromotor, auch das gibt es. Überhaupt liegen E-Bikes weiterhin voll im Trend auf dem Fahrradmarkt. Das merkt auch Manfred Schnitzler, Inhaber des Fahrradhauses Schlitzer in Rüttenscheid, der sagt: „Der Anteil im Verkauf liegt zwischen 15 und 18 Prozent.“ Die elektronisch unterstützen Räder haben sich in den vergangenen Jahren technisch stark weiterentwickelt. „E-Bikes haben mittlerweile mindestens eine Reichweite von 100 Kilometern“, sagt Matthias Frese, Juniorchef beim Zweiradmeisterbetrieb van Buer in Frintrop. „Durch den Motor haben gerade ältere Menschen einen viel größeren Radius, in dem sie sich mit dem Rad bewegen können.“

Doch nicht nur Rentner fahren auf die elektronischen Drahtesel ab, die in der Regel bis zu 25 Kilometer pro Stunde schaffen. „Die Kunden werden jünger“, sagt Frese. Wer den Weg zur Arbeit mit dem Rad bewältigt und im Sommer nicht nassgeschwitzt im Büro ankommen möchte, nutzt eben ein E-Bike. Deshalb könnten die Pedelecs gerade in Hinblick auf den geplanten Radschnellweg zwischen Hamm und Duisburg für Berufstätige interessant werden. „Die Städte sind wie auf der Perlenschnur aneinandergereiht“, sagt Jörg Brinkmann, der Kreisverband-Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). „Einzelne Strecken, etwa die von Essen nach Bochum, würden sich deshalb sehr gut mit E-Bikes bewältigen lassen.“

Lückenschluss in Frohnhausen

Noch ist der Radschnellweg in Gänze Zukunftsmusik, immerhin wird in den nächsten Wochen ein weiteres Teilstück zwischen Frohnhausen und der Mülheimer Stadtgrenze eröffnet. Der Regionalverband Ruhr schließt damit die Lücke zwischen der Radtrasse der Rheinischen Bahn und der Grugatrasse – so sind zwei der zentralen und viel befahrenen Radachsen der Stadt ab diesem Frühjahr endlich miteinander verbunden.

Brinkmann lobt die anderthalb Kilometer lange Strecke. „Der Abschnitt ist bereits nach den Standards des Radschnellweges gestaltet“, so der ADFC-Vorsitzende. Bedeutet: Es gibt eine strikte Trennung zwischen dem vier Meter breiten Radweg und dem zwei Meter breiten geschotterten Fußweg, zudem ist ein Bereich unter einer Eisenbahnbrücke beleuchtet.

Die Händler freuen sich naturgemäß über den Ausbau. „Essen entwickelt sich“, sagt Matthias Frese. Sein Kollege Manfred Schlitzer ergänzt: „Für Freizeitfahrer hat sich viel getan. Immerhin bekam Essen vor 20 Jahren noch die rostige Speiche für die Großstadt mit dem schlechtesten Rad-Angebot.“

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