Mit einem Bein in der Vergangenheit

Bei Oblivia ist ein „Bühnen-Black“ nicht mehr als eine Armbewegung, der wortreichste Monolog bloß stumme Mundmimik. Die finnische Performancegruppe flirtet mit der Vorstellungskraft. Ihr Kopftheater ist dabei so simpel wie ein Kinderspiel: Wenn ich dich nicht sehe, siehst du mich auch nicht. Und es ist nicht weniger größenwahnsinnig: Der Monolog ist selbstredend auf Japanisch. Und eine hundert Schauspieler starke Baumtruppe hat einen gigantischen Auftritt als Wald inklusive Sturz in den Orchestergraben.

Minimalismus ist ihr Prinzip

Tatsächlich bleibt die ebene Bühne leer. Das ist typisch für das charmante Performance-Trio mit Timo Fredriksson, Anna Krzystek und Annika Tudeer, die 2009 zum ersten Mal als Residenten bei PACT Zollverein zu erleben waren, dort 2010 ihre herrlich-humorige „Entertainment Island“-Trilogie und jetzt die Uraufführung ihrer neuen Arbeit „Museum of Postmodern Art“ zeigten.

Minimalismus auf der Bühne ist ihr Prinzip. Dafür sind die Themen raum- und weltgreifend. Diesmal geht es um nicht weniger als um die Postmoderne, die Oblivia endlich ins Museum verfrachten will. Dafür wird die imaginäre Nebelmaschine angeworfen, noch einmal die Kunst in ihrem Kunstsein offengelegt und namentlich das Neue hinterfragt.

So einfach ist es nämlich nicht, das Alte hinter sich zu lassen, wie Fredriksson anschaulich erklärt: Bei jedem Schritt ins Neue hängt das andere Bein schon hinterher, es ist alt geworden. Jeder Aufbruch schleppt die Vergangenheit mit sich.

Absurder Witz neben Plattheiten

Auch Oblivia hat schwer zu tragen. Nach der großartigen Vorgänger-Arbeit wirkt der Gang der Finnen durchs Kunst- und Visionsmuseum weniger skurril und pointiert, formal weniger streng.

Postmodern pluralistisch plätschert da absurder Witz neben Plattheiten. Aber es ist erst der erste Schritt zu einem geplanten Großprojekt, insgesamt fünf Teile sollen bis 2016 unter dem (abgekürzten) Titel „MOPMA“ entstehen. Da kann noch viel passieren.

EURE FAVORITEN