Mit der „Naturlinie“ auf Entdeckungsreise durch Essen

Zwischenstopp mit der „105“  in Altendorf: In der von Grün durchzogenen Hirtsiefer-Siedlung scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.
Zwischenstopp mit der „105“ in Altendorf: In der von Grün durchzogenen Hirtsiefer-Siedlung scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.
Foto: Essen
Die Straßenbahnlinie 105 zwischen Rellinghausen und Frintrop führt zu Grünzügen, Stadtparks und Siedlungen mit viel Grün. Aussteigen lohnt sich. Nur die Orientierung fällt dann nicht immer leicht.

Essen. Hand aufs Herz: Wer mit der Straßenbahnlinie 105 auf der Rellinghauser Straße unterwegs ist oder auf der Altendorfer Straße, der hat wohl kaum den Eindruck, er macht einen Ausflug ins Grüne. Das Grün aber ist oft ganz in der Nähe der nächsten Haltestelle, weshalb die Evag die „105“ zur Naturlinie erkoren hat. Anlässlich der Klimawochen rührte das Nahverkehrsunternehmen dieser Tage die Werbetrommel für einen Ausflug mit der Tram – und lud dazu ein, einmal auszusteigen.

Elfriede Adams aus Holsterhausen hat die Einladung angenommen. Dass das Ruhrgebiet nicht mehr der Kohlenpott ist, das habe sich bis in ihre Heimatstadt Oldenburg herumgesprochen, erzählt die Seniorin, die längst in Essen heimisch ist. Sind Verwandte zu Besuch, zeigt Elfriede Adams ihnen Essens schöne Seiten. Davon gibt es mehr als selbst gebürtige Essener vermuten mögen, was der Ausflug mit der „105“ offenbart.

Mehr Bus und Bahn nutzen

Klaus Falke ist der geistige Vater der Naturlinie. Angelehnt an die Kulturlinie 107, die das Nahverkehrsunternehmen zum Kulturhauptstadtjahr 2010 aufs Gleis setzte – übrigens auf einer Idee der WAZ hin – soll die „105“ den Fahrgästen näher bringen, was es abseits des Linienweges zu sehen gibt. Auch im Interesse der Evag: „Wir möchten erreichen, dass mehr Menschen Bus und Bahn in ihrer Freizeit nutzen“, sagt Evag-Mitarbeiter Falke. Mit der 105 können sie die eigene Stadt entdecken. Ob jeder Essener weiß, dass das ein Ausläufer des Ardeygebirges und damit die Wetterscheide zwischen Ruhr und Emscher durch die Stadt verläuft? Oder dass die Schweiz in Schönebeck liegt?

Umweltschutz Anja ist vor einem Jahr von Bielefeld nach Essen gezogen und ist neugierig auf die Stadt. „Ich begegne Menschen, die hier zuhause sind und die noch nicht gesehen haben, was ich gesehen habe“, wundert sich die 43-Jährige. Essener sind eben erst einmal Borbecker, Rellinghauser oder Kupferdreher – je nachdem, aus welchem Stadtteil sie kommen. Geht es nach der Evag, sollen aber nicht nur Lokalpatrioten mit der „105“ auf Entdeckungsfahrt gehen. 2017, wenn Essen sich mit dem Titel Grüne Hauptstadt Europas schmücken darf, könnte die Naturlinie das Verkehrsmittel für die Fahrt ins Grüne werden.

Den Weg in den Park finden

Nur: Fahrgäste müssen erst einmal ganz genau hingucken. An den Masten der Haltestellenschilder geben Bierdeckel große Piktogramme dezente Hinweise, warum es sich lohnt, einen kurzen Zwischenstopp einzulegen. Wer dann ausgestiegen ist, muss sich in der Regel durchfragen. Dass es zum Beispiel in Altendorf von der Haltestelle Röntgenstraße nur wenige Straßenecken bis zum Niederfeldsee sind, erschließt sich Ortsunkundigen nicht.

Ja, den richtigen Weg bis zum nächsten Park oder Grünzug zu finden, ist mitunter nicht leicht. Es sei denn, man verfügt über ein Internet fähiges Mobiltelefon, was auf der Expeditionsreise nur zu empfehlen ist. Unter www.evag.de finden sich nicht nur Wegbeschreibungen und Orientierungshilfen auch satellitengesteuert per GPS, sondern die wichtigsten Infos zu den rund 50 Naturorten entlang der etwa 20 Kilometer langen Strecke.

Informationen vor Ort

Die Evag geht informationstechnisch mit der Zeit, auch um den finanziellen Aufwand so gering wie möglich zu halten, wie Klaus Falke erläutert. Wer nicht Schritt hält, bleibt auf der Strecke.

Stadtgrün Mehr Informationen insbesondere über das, was mal war, wird sich mancher auch vor Ort wünschen. Etwa über den Segeroth oder die Kruppsche Gussstahlfabrik, die dort standen, wo heute der Krupp-Park blüht. Der Ausflug ins Grüne würde so zu einer lohnenswerten Zeitreise. Ein Erlebnis, das unverhoffte Aussichten auf diese Stadt bietet, ist sie allemal.

Spaziergänge und Führungen:

  • Informationen zu den Natur-Orten und Spaziergängen entlang der Naturlinie 105 gibt es unter www.evag.de. Für Führungen auf der verweist die Evag auf kommerzielle Anbieter.

  • Nähere Informationen auch zu Preisen und Mindestteilnehmerzahl gibt es im Internet unter www.tour-de-ruhr.de und www.echtnahdran.de/naturlinie105.html.

 
 

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