Mit dem Spaten unterm Gipfel

Die Clarahütte in Osttirol, eine der ältesten Alpenhütten. Dieses Jahr wird der Neubau dahinter fertig. Der Alpenverein (DAV) sucht in Essen noch Helfer.
Die Clarahütte in Osttirol, eine der ältesten Alpenhütten. Dieses Jahr wird der Neubau dahinter fertig. Der Alpenverein (DAV) sucht in Essen noch Helfer.
Foto: DAV
Für die Bauarbeiten an der Clarahütte und der Essener Hütten in den Osttiroler Alpen benötigt die hiesige DAV-Sektion noch weitere Helfer.

Essen.. Sie muss noch einige Gipfel stürmen, bis sie endlich ihr Ziel erreicht hat: die Sektion Essen vom Deutschen Alpenverein (DAV). Ihre beiden durch Unwetter und Lawinen beschädigten Bergwander-Unterkünfte Clarahütte und Essener Hütte im Hochgebirge der Osttiroler Venedigergruppe werden zum Saisonbeginn wieder in Betrieb genommen, aber die Reparaturen und Ausbauten erfordern viel Geld und mehr Kräfte als bisher zur Verfügung stehen.

Der Alpenverein ist auf Spenden angewiesen, vor allem: „Wir brauchen noch 40 weitere Freiwillige“, erklärt der Essener Vorsitzende Detlef Weber. Und zwar für den Endausbau der Clarahütte. Dort, in 2038 Metern Höhe im Umbaltal, sind die Arbeiten der Essener bisher am weitesten vorangeschritten. 2012 verwüstete eine Schneelawine die Clarahütte, im Jahr darauf begann bereits der Wiederaufbau, an dem schon über 200 Freiwillige beteiligt waren – die meisten von ihnen hatten sich bereit erklärt, eine Woche mitzuarbeiten. Inzwischen zählt die Hütte im Sommer wieder bis zu 300 Gäste täglich, die bewirtet werden und 30 Wanderer, die dort übernachten wollen.

Die ehrenamtlichen Bauarbeiter haben schon acht Zimmer gebaut, komplett mit Sanitäranlagen, Heizungen und Inneneinrichtung. Dieses Jahr werden weitere neun Zimmer im Neubau fertiggestellt, der hinter dem Altbau versteckt in der Erde eingegraben ist. Die Sicht auf die Natur und die alte Clarahütte bleiben ungestört. „Sie ist eine der fünf ältesten Alpenhütten überhaupt“, erklärt Detlef Weber.

Kein Durchkommen vor lauter Schnee

Derzeit kann er vor Ort nichts tun. Ein Durchkommen ist nicht möglich. Noch vor wenigen Tagen lag dort meterdick Schnee. Der Essener Alpenvereinsvorsitzende will mit den ersten Freiwilligen am 20. Mai zur Hütte aufbrechen und wird dort selbst die Bauleitung übernehmen. Die Zeit bis dahin nutzt er hier für die Planungen und Vorbereitungen – und für die Suche nach Helfern. Bisher haben sich 80 gemeldet. „Wir brauchen aber 120“, sagt Weber. (Interessierte können sich an folgende Mail-Adresse wenden: detlef.weber@home.intersolute.de)

Im September will die Sektion die letzten Arbeiten abschließen. Bis dahin wird das Projekt 1,35 Millionen Euro verschlungen haben, von denen die Sektion 350.000 Euro selbst aufbringen muss. An der Finanzierung beteiligen sich neben der Versicherung auch das Land Tirol und der Bundesstaat Österreich.

Die zweite Baustelle erfordert viel mehr Zeit. Zwar will der Alpenverein in diesem Sommer mit der Reparatur des bei einem Starkregen beschädigten Mini-Wasserkraftwerkes der Essener Hütte (2208 Meter) im Maurertal weiter machen, aber die Hoffnungen, dies alles bis zum Herbst über die Bühne zu bekommen, haben sich zerschlagen. „Keine Chance“, so Weber. Zwischendurch kann es deshalb in der Hütte immer wieder zu Stromausfällen kommen. Erst 2016 oder 2017 wird dieses Kapitel abgeschlossen sein. Die Gesamtkosten könnten sich auf bis zu 150.000 Euro erhöhen, wovon wohl rund ein Drittel die finanziell arg gebeutelte Essener Sektion berappen müsste, die wieder Sponsoren sucht. Aus eigener Kraft kann der Verein, der in Essen 3500 Mitglieder zählt, das Geld nicht aufbringen.

Lang ersehnte Verbindung

Was aber dieses Jahr geschafft wird, ist die lang ersehnte Verbindung zwischen der Clarahütte und der Essener Hütte. Der dortige Tourismusverband hat bereits die wichtigsten Arbeiten erledigen lassen. „Wir müssen nur eine Strecke von 800 Metern neu bauen. Das dürfte bis Ende Juli klappen“, gibt sich Weber zuversichtlich und versichert: „Das wird ein wunderschöner Weg – etwas für Naturfreunde.“ Für Menschen, die keine Mühe scheuen. Der Pfad ist zwar nur sieben Kilometer lang, „Aber sie müssen von 2200 Metern auf 3000 und dann wieder runter auf 2000 Meter“, betont der Essener Wander-Chef.

Das dauert. Für Gipfelstürmer vier Stunden, für den Essener Normalbürger mindestens fünfeinhalb Stunden.

Eher mehr.

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel