Mit dem Rad unterwegs: Wo in Essen „der Tod lauert“

Drastischer geht’s kaum: „Hier lauert der Tod“-Schild an der Hammer Straße.
Drastischer geht’s kaum: „Hier lauert der Tod“-Schild an der Hammer Straße.
Foto: WAZ FotoPool
Die Hammer Straße verbindet Essen-Kupferdreh und -Heidhausen. Die Straße galt lange als „Unfallschwerpunkt“. Unser Rad-Reporter findet trotzdem, dass man die Strecke gut radeln kann.

Essen.. Ich will Sie, liebe Leser, nicht zu einem gefährlichen Leben verführen. Aber für einen „Unfallschwerpunkt“ ist die Hammer Straße ausgesprochen attraktiv. Im hügeligen Süden verbindet sie kurvenreich die Stadtteile Heidhausen mit Kupferdreh, führt am Haus Scheppen am Baldeneysee vorbei, dem beliebten Biker-Treff. Auch für Radler ist diese Straße: herausfordernd. Landschaftlich reizvoll. Abwechslungsreich und schlicht schön.

Zwischen 2001 und 2006 zählte die Polizei auf der Hammer Straße rund 40 Motorrad-Unfälle, es gab auch welche mit tödlichem Ende. Um 2007 schraubte man deshalb Schilder an den Wegesrand, die wohl einmalig sind im ganzen Stadtgebiet: „Hier lauert der Tod“, drastischer und martialischer geht’s kaum, und tatsächlich: die Unfall-Zahlen gingen zurück.

Unfall-Zahlen gingen zurück

Das liegt aber wohl weniger an den Schildern, die Angst machen sollen, sondern an den Schwellen, die man im gesamten Verlauf der Straße auf dem Asphalt anbrachte: Zunächst waren es welche aus hartem Plastik, die Motorrad-, Auto- und auch Radfahrer zum Bremsen nötigten. Doch weil Anwohner sich über den Lärm beklagten, der entstand, pro Achse ein „Tack!“, fräste man das Plastik wieder ab und brachte Asphalt auf. Die Hindernisse sind seitdem sanfter zu Mensch und Maschine, ihre Wirkung ist aber die gleiche.

Die Hammer Straße führt an Pferdekoppeln entlang und an Gemüseäckern, hier stehen Scheunen, Kühe leben hier, nicht umsonst hatte Milcherzeuger „Kutel“ dort früher seine Zentrale, die längst ein gespenstischer Ort geworden ist inmitten schönster Naturidylle. Verlassen das Gebäude, die Fensterscheiben zerbrochen. Hier sollen ab Herbst 2015 800 Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisenregionen unterkommen, aber das ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls: Mit ein bisschen Kondition oder einem besonders leichten Fahrrad schafft ein Radler das Auf und Ab der Hammer Straße spielend, und wem das zu sportlich ist: Jetzt, im Winter, gibt es E-Bikes manchmal günstiger. Natürlich gibt es keinen Radweg auf der Hammer Straße. Halten Sie genügend Abstand zum Straßenrand, dann kommt Ihnen niemand beim Überholen zu nahe. Es geht nicht darum, Autofahrer zu provozieren, aber auf Straßen wie dieser muss man als Radler klarmachen: Wir sind auch da! Gute Fahrt.

Alle Folgen von „Essen auf Rädern“ finden Sie hier.

 
 

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