Mit dem Rad an der Stadtgrenze zu Mülheim

Beliebt im Nordwesten: Das Hexbachtal markiert die Grenze zu Mülheim.
Beliebt im Nordwesten: Das Hexbachtal markiert die Grenze zu Mülheim.
Foto: WAZ FotoPool
Kein Grenzabschnitt ist länger als der im Westen. Die Strecke ist abwechslungsreich und bietet viel Luft zum Atmen, Naturidylle und städtebauliches Durcheinander.

Essen.. Der Westen der Stadt – wild ist er nicht, aber abwechslungsreich. Es sind die Stadtteile Kettwig, Schuir, Haarzopf, Fulerum, Frohnhausen und schließlich Bedingrade, die an Mülheim grenzen, dann stößt Essen im Nordwesten an Oberhausen.

Für den Radler heißt das: Rund drei Stunden sollte man für die Etappe entlang an Mülheims Grenze einplanen, es ist der längste Grenzabschnitt, den Essen zu einer einzigen Nachbarstadt hat. Die Mühen werden belohnt mit: reichlich Naturidylle, städtebaulich Erfreulichem sowie einigem Durcheinander, und immer wieder: versteckte Schönheiten, die unvermutet am Wegesrand auftauchen.

Los geht’s an der Kettwiger Ruhrpromenade, auch Ratingen liegt hier weiter westlich, und dass die Ruhr immer einen Ausflug lohnt, hier in Kettwig wie in Steele-Horst oder woanders – das müssen wir nicht nochmal betonen. Die Einzigartigkeit in dieser Gegend ist weithin sichtbar: Die Mintarder Brücke mit ihren 65 Metern Höhe, sie zieht sich schnurgerade durchs Ruhrtal. Wer unter ihr steht, hört ein beständiges Sirren und Klappern, doch der Brücke kann man trotz ihrer Monströsität eine gewisse Ästhetik nicht absprechen.

Insgesamt dreimal kreuzen wir weiter östlich die A 52. So wie die A40 im Osten die Felder von Bochum zerschneidet, macht das die A52 hier an dieser Stelle mit den Äckern von Mülheim und Kettwig, die Stadtgrenze verläuft ziemlich genau entlang der Autobahn, teilweise bildet auch die Meisenburgstraße die Grenze. Wir rollen den Flughafen entlang, die Lilienthalstraße, biegen ab nach Norden in ein Waldstück und sind bald in Haarzopf.

Zwischen Feinheit und Bescheidenheit

Typisch sind hier die durchaus charmanten Doppelhaushälften und Einfamilienhäuser, die in den Sechziger Jahren entstanden, das gibt dem Stadtteil einen gewissen Charakter. Da muss die „Neue Mitte“, die an der Hatzper Straße entstanden ist, erst mal noch hinkommen. Im Grunde ist Haarzopf, seine Substanz betreffend, ein durchaus vornehmer Stadtteil, doch er kommt, zumindest gefühlt, angenehm bescheiden ‘rüber. Vielleicht liegt das an seiner Randlage. Ach ja, und ausgesprochen hübsche Straßennamen haben sie hier: Reinecke-Fuchs-Straße, Sonnenscheinweg, Auf’m Gartenstück.

Weiter nördlich, an der Beekmannstraße, endet Haarzopf dann, man hat das Gefühl, hier hört die Stadt schon wieder auf: Es endet die Bebauung, es kommen weite Felder, erstmals wird der Blick auf die Stadtmitte möglich, von weitem ist die Spitze von Essens höchstem Gebäude erkennbar, dem RWE-Turm. Haarzopf wirkt hier, je nach dem, entweder seltsam unfertig oder sympathisch luftig – wir rollen die Scheidtstraße Richtung Norden, dies ist jetzt Fulerum, an nüchternen Mehrfamilienhäusern entlang, bis an der Humboldstraße die Rückseite des Rhein-Ruhr-Zentrums auftaucht. Die ganze Humboldtstaße riecht nach den Fritten von Mc Donald’s, der Cinemaxx-Schriftzug leuchtet pink, und die ganze Szene wird noch halb verstellt von einem alten Backsteinhaus.

Hexbachtal gibt den Weg vor

Selten hat man das ganze städtebauliche Durcheinander, das so typisch ist fürs Ruhrgebiet, so intensiv verdichtet zu sehen bekommen wie an genau dieser Stelle. Man kann es lieben oder hassen, und man darf auch durchaus beides.

Der Weg führt nun ein Stück Radtrasse zwischen Frohnhausen und Mülheim entlang, die Gegend hier: Rauh, Gewerbegebiet, seltsam durcheinander, doch schon lockt das liebliche Winkhauser Tal, ein Naturschutzgebiet von ausgesprochener Schönheit, der Weg führt plötzlich wieder über Feld und Wald und Wiese, ein Reiterhof ist nicht weit, wer nach Westen schaut, sieht den grünen Kirchturm von Schönebeck. Ja, es ist schön hier. Wirklich. Es bleibt idyllisch zwischen Mülheim-Dümpten und Essen-Bedingrade, das Hexbachtal, beliebt im Nordwesten der Stadt, gibt den Weg vor, dies ist kein ganz schlechter Ort. Und so stellen wir zum Schluss dieser Tour fest: An seinem westlichen Rand hat Essen eigentlich viel Platz zum Atmen. Gut so.

Nächster Teil: Oberhausen

 
 

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