Ministerpräsidentin Kraft lobt ehemalige koreanische Bergleute auf Zollverein

Etwa 300 ehemalige koreanische Bergleute haben sich auf Zollverein getroffen. Ab den 1960er-Jahren haben sie unter Tage gearbeitet.
Etwa 300 ehemalige koreanische Bergleute haben sich auf Zollverein getroffen. Ab den 1960er-Jahren haben sie unter Tage gearbeitet.
Foto: WAZ FotoPool
Koreanische Bergleute waren ab den 1960er-Jahren im westdeutschen Steinkohlebergbau tätig. Jetzt haben sich viele von ihnen auf Zollverein getroffen. Ministerpräsidentin Kraft lobte: „Ohne koreanische Krankenschwestern und Bergleute wäre das Wirtschaftswunder nicht möglich gewesen“.

Essen.. „Unter Tage waren wir alle gleich“, sagt der ehemalige Bergmann Kang. 1970 kam er aus Korea nach Deutschland. „Die Wurzeln der Freundschaft liegen 1000 Meter unter der Erde“, das habe er damals gelernt. Über Tage seien die Arbeiter aus Korea zwar eher unter sich geblieben, unter Tage aber vereinte das schwarze Gold die Koreaner die Deutschen, die Türken, die Griechen und die Italiener.

Jetzt kamen etwa 300 ehemalige koreanische Bergleute am vergangenen Wochenende auf Zollverein zusammen. Begrüßt wurden sie von Choi Soo Ja, einer ehemaligen Krankenschwester. Sie war die wohl erste Koreanerin im Ruhrgebiet und lebte bereits in Deutschland, bevor die ersten Bergarbeiter nach Deutschland kamen. Sie erinnerte an den „Mut und das Heimweh“, das viele damals empfanden. Aber auch an die Kraft, die sie investierten, um gemeinsam mit den deutschen Bergmännern für den Wiederaufbau zu „malochen“.

Anerkennende Worte für die Arbeit der Asiaten gab es auch von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD): „Ohne koreanische Krankenschwestern und Bergleute wäre das Wirtschaftswunder nicht möglich gewesen.“ Sie hätten einen „wertvollen Beitrag zur wirtschaftlichen Stärke der Bundesrepublik Deutschland und von Nordrhein-Westfalen“ geleistet.

Unternehmerischer Geist und Mut

Auch der Botschafter der Republik Korea, Jae-Shin Kim, lobte den „unternehmerischen Geist und den Mut“ seiner Landsleute und hob die Bedeutung für die deutsch-koreanische Freundschaft hervor.

Und eben diese Freundschaft ist mit den Jahren gewachsen. Nicht wenige Koreaner sind in der neuen Heimat geblieben. Young-Jan Lee etwa kam 1967 nach Deutschland. Sie folgte ihrem Mann, der bereits zwei Jahre zuvor nach Deutschland kam und im Bergbau

arbeitete. Nach Auslaufen seines Dreijahresvertrags wollte die Familie eigentlich nach Amerika. „Aber die Ausreise war zu kompliziert“, verrät Lee. Bereut in Deutschland geblieben zu bleiben, hat sie nie.

Die Familie in Korea sehr vermisst

Auch der ehemalige Bergarbeiter Kang wundert sich im Rückblick, wie schnell seine Jahre im Bergbau vergangen sind. „Ich habe in der Schaltanlage Lohberg in Dinslaken begonnen und meine Familie in Korea sehr vermisst“, sagt er. Dann lernte er 1971 seine Frau, eine koreanische Krankenschwester, kennen. Sie blieben in Deutschland. Das Heimweh meldet sich nur noch selten.

Wie sehr die erste Heimat irgendwann zur zweiten Heimat werden kann, berichtet auch Bo-Hyun. Sein Vater kam ebenfalls in den 1970er-Jahren nach Deutschland, um als Bergmann zu arbeiten. Seine Frau folgte 1978 mit dem damals vier Jahre alten Bo-Hyun. Wenn seine Mutter heute nach einer Zeit in Korea wieder zum Besuch nach Essen kommt, sage sie immer: „Ich bin wieder zu Hause“.

 
 

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