Mineralwasser-Produzent Stiftsquelle verlässt Essen

Bald Geschichte: die Stiftsquelle in Stoppenberg.. Foto: Klaus Micke
Bald Geschichte: die Stiftsquelle in Stoppenberg.. Foto: Klaus Micke
Foto: WAZ FotoPool
Seit 1894 sitzt die Stiftsquelle in Essen-Stoppenberg. Im kommenden Jahr soll Schluss sein: Das Unternehmen zieht um nach Dorsten. Auch das Mineralwasser kommt dann aus Dorstener Boden.

Essen.. Seit 1894 ist man am Stoppenberg ansässig, im nächsten Jahr ist Schluss: Die Stiftsquelle, neben der Borbecker Schloßquelle der einzige Mineralbrunnen in Essen, wird die Stadt verlassen und in Dorsten einen Neuanfang machen. „Wir konnten uns an unserem alten, zunehmend beengten, Standort einfach nicht mehr entwickeln“, sagt Geschäftsführer und Inhaber Michael Brodmann, der nach eigenem Bekunden „eine Gänsehaut bekommt“, wenn er an den Umzug denkt. Schließlich sei man seit nun 118 Jahren als Familie und Firma mit Essen eng verbunden. „Und wir wissen, dass wir in vielen Familien wie ein guter Freund gesehen werden und treue Kunden haben.“

Das soll, wenn es nach Brodmann geht, auch künftig so bleiben. Das Stoppenberger Mineralwasser bleibt zwar künftig im Boden, doch sei das Dorstener Wasser keineswegs schlechter. „Wir haben viele Probebohrungen vorgenommen und uns schließlich dort niedergelassen, wo das Wasser sehr ähnlich schmeckt und ähnliche Werte aufweist“, so Brodmann. Auch künftig sei Stiftsquelle streng kochsalzarm und für die Zubereitung von Babynahrung geeignet.

Kaum Möglichkeiten zum Wachstum

Gerne wäre man in der Heimat geblieben, beteuert Brodmann, doch gab es keinen Standort, bei dem man quasi auf dem Wasser gesessen hätte – für einen Mineralbrunnen ist das nicht nur Vorschrift, alles andere wäre auch gegen jede ökonomische Vernunft. Gerade weil schon jetzt nur noch ein Teil der Abfüllung in Stoppenberg erledigt werden könne, sei der Umzug ja unabwendbar. „Wenn Sie als Mineralbrunnen wie wir einen Außenstandort benötigen und viele Kisten zweimal anpacken müssen, ist das wirtschaftlich eigentlich gar nicht darstellbar“, klagt Brodmann. Und ökologisch sinnvoll sei es auch nicht. Das Firmengelände an der Schwanhildenstraße ist inzwischen umringt von Wohnbebauung, an Erweiterung ist nicht zu denken.

Und weiter wachsen will das Unternehmen. Zurzeit füllt Stiftsquelle etwa 30 000 Kisten pro Tag ab, in Dorsten sollen es künftig bis zu 50 000 sein. Für den Willen neu durchzustarten, spricht auch die Investitionssumme, die der Familienbetrieb in die Hand nimmt, um im hart umkämpften Mineralwassermarkt weiter zu bestehen: immerhin 15 Millionen Euro. „Wenn nicht mein Sohn in den Betrieb einsteigen würde, hätten wir das nicht mehr gestemmt“, so Brodmann. Einstellen will Stiftsquelle übrigens auch die kleine Firmentochter Salinger Bronnen in Borbeck.

Mit nach Dorsten wechseln rund 50 Mitarbeiter, die erst jüngst über die Pläne informiert wurden, laut Brodmann aber positiv reagierten. Die Familie will ansonsten Essen aber die Treue halten, der Firmensitz soll unternehmensrechtlich in der Ruhrstadt verbleiben und auch das lokale Sponsoring im Bereich Umwelt will Brodmann fortsetzen.

 
 

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