Essen

Bluttat in Oberhausen: Ramadan K. entschuldigt sich unter Tränen – aber nicht bei der Familie des Toten

Ramadan K. (r.) soll bei einem Streit an der Bushaltestelle Lipperfeld in Oberhausen einen Mann erstochen haben.
Ramadan K. (r.) soll bei einem Streit an der Bushaltestelle Lipperfeld in Oberhausen einen Mann erstochen haben.
Foto: Justin Brosch, Julia Kübel, Montage: DER WESTEN
  • Prozess um Bluttat in Oberhausen steht kurz vor dem Ende
  • Angeklagter entschuldigt sich bei dem Mann, den er kurz vor der Bluttat überfallen hat
  • Rechtsmediziner erzählt, wie Mike R. starb

Essen. Der Prozess um die Bluttat an einer Bushaltestelle in Oberhausen geht in den Endspurt. Noch drei Prozesstage sind angesetzt, am heutigen Freitag musste die Familie des Opfers Mike R. einiges durchmachen: Ein Rechtsmediziner erklärte haargenau, wie der 28-Jährige gestorben ist.

Gerichtsmediziner erklärt: Mike R. hatte keine Chance

Der Gerichtsmediziner Peter Gabriel ist der Leiter der Rechtsmedizin in Duisburg und obduzierte die Leiche von Mike R.. Detailliert erzählt er vor dem Essener Landgericht, dass sieben Stiche ausgeübt wurden, davon aber nur zwei tief genug waren, um den jungen Mann ernsthaft zu verletzen.

Die Klinge, mit der zugestochen wurde, müsse zwischen 5 und 10 Zentimeter lang sein. Das sichergestellte Messer von Ramadan K. ist 6 Zentimeter lang.

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Einer der Stiche habe das Herz getroffen, die Blutung sei nicht zu stillen gewesen, bestätigt Gabriel. Die Ärzte hätten kaum noch etwas für das Opfer tun können.

„Der tödliche Stich muss mit viel Wucht ausgeübt worden sein. Denn das Brustbein ist ein robuster Knochen. Dieser wurde aber durchtrennt mit der Klinge und so wurde das Herz getroffen“, erklärt Gabriel. Es müsse viel Kraft im Spiel gewesen sein, sonst würde man nicht so tief stechen können.

Familie kann die Aussage kaum ertragen

Auf der Nebenklagebank sitzt die Familie von Mike R.: Sein Vater, seine Mutter und sein Bruder Denny R., der in der verhängsnisvollen Nacht ebenfalls schwer verletzt wurde.

Zu ihm sagt Peter Gabriel: „Er hat Glück gehabt. Hätte er länger dort gelegen, wäre er auch verblutet oder am Blut erstickt.“ Die Ärzte konnten Denny in einer Not-Operation gerade noch retten. Er hatte eine schwere Stichverletzung durch den Unterkiefer bis in die Mundhöhle.

Für die Eltern der beiden Männer sind die Details der Obduktion und der Krankenakte kaum zu ertragen. Der Vater vergräbt sein Gesicht immer wieder in seinen Händen, die Mutter schüttelt unentwegt mit dem Kopf.

Angeklagter entschuldigt sich bei Zeugen

Ungläubig hört sie sich dann die persönliche Entschuldigung des Angeklagten an einen der Zeugen an. Der Zeuge war kurz vor der Bluttat von Ramadan K. und einem anderen Mann in Bottrop überfallen, getreten und zu Boden geschubst worden. Dann wurde ihm die Geldbörse gestohlen, die beiden Männer flohen. Später soll Ramadan K. nach einem Streit in einem Bus auf die Brüder Mike und Denny eingestochen haben.

Ramadan K. hört sich die Aussage des Zeugen an, wendet sich an seinen Verteidiger Siegmund Benecken. Dieser gibt bekannt: Er will sich für den Überfall entschuldigen.

Zeuge glaubt ihm nicht

Tränen stehen ihm in den Augen, als er sich bei dem Zeugen entschuldigt. Unglaube macht sich auf den Gesichtern der Familie des Opfers breit. Der Zeuge nimmt die Entschuldigung an. Sagt aber auch: „Ich glaube, dass es ihm leid tut. Aber ich glaube ihm nicht, dass er es nicht gewollt hat. Sonst hätte er es nicht getan.“

Am Montag, 11. Juni, geht der Prozess weiter. Schon in einer Woche soll das Urteil fallen. (fb)

 
 

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