Metzgerei-Chefin in vierter Generation aus Essen-Kray

Die Metzgerei Schmidt in Kray: Chefin Julia Schmidt zeigt mit ihrem Vater Joachim ein 100 Jahre Bild, das das Gründerpaar August und Gertrud Schmidt mit Sohn Wilhelm zeigt.  Hinten: Sabine Mans (l.) und Alexandra Lüttig
Die Metzgerei Schmidt in Kray: Chefin Julia Schmidt zeigt mit ihrem Vater Joachim ein 100 Jahre Bild, das das Gründerpaar August und Gertrud Schmidt mit Sohn Wilhelm zeigt. Hinten: Sabine Mans (l.) und Alexandra Lüttig
Foto: Essen
Julia Schmidt, eine der wenigen Fleischermeisterinnen der Region, führt den Traditionsbetrieb. Mit Qualität und Vielfalt gegen Discounter-Konkurrenz.

Essen.. August Schmidt, ein gebürtiger Hesse, hat die Traditions-Metzgerei am Bocklerbaum schon vor 105 Jahren gegründet. Wilhelm, sein Ältester, sollte den Staffelstab an Sohn Joachim weiterreichen. „Und für mich stand schon mit 15 fest, dass ich in die Fußstapfen meines Vaters treten würde“, sagt Julia Schmidt — Chefin in vierter Generation und eine der wenigen Fleischermeisterinnen der Region.

Mit Kettenhemd und Helm

Wie viel Tatkraft und Resolutheit die attraktive und dezent geschminkte 47-Jährige ausstrahlt, spürt man am ehesten hinten in der Produktion: seit eh und je eine Männerwelt, in der gepökelt und gewurstet, geräuchert und gekocht wird. Eine Welt, in der kräftige Hände Schweinehälften zerlegen und schwere Schinken aus der Räucherkammer rollen – in jeder Beziehung ein Knochenjob. „Ich habe ihn von der Pieke auf gelernt“, sagt die Chefin. Und zählt auf: die Lehre als Fleischereifachverkäuferin vorne im Laden, dann die Ausbildung zur Fleischergesellin hinten im Zerlegebetrieb. „Mit Kettenhemd und Kettenhandschuh, mit Gummischürze und Helm.“ Das schafft Respekt. Die Zugabe: der Meisterbrief 1993 und – nicht minder wichtig – die Spezialisierung zur Betriebswirtin.

Denn mit 45 Mitarbeitern, die sich aufs Krayer Hauptgeschäft und die sieben Filialen verteilen, muss sie ja auch dies sein: eine erfolgreiche, kreative Managerin, die sich gegen die mächtige Supermarkt-Konkurrenz behaupten muss. Hinzu kommen noch Tankstellen, die neuerdings ebenfalls abgepackte Schnitzel ins Regal legen.

Traditionsbetrieb in Kray

Folgerichtig sucht der Krayer Traditionsbetrieb sein Heil in Tugenden, bei denen seelenlose Discount & Ramsch-Metzger nicht mithalten können: in absoluter Frische, tadelloser Qualität und beeindruckender geschmacklicher Vielfalt. „90 Prozent unserer Wurstwaren stammen aus eigener Herstellung“, erzählt Julia Schmidt, „dabei verwenden wir nur Rohgewürze.“ Die geräucherte Fleischwurst „mit und ohne“ wird ebenso täglich hergestellt wie die Mettwurst. Während andere das Sortiment notgedrungen zusammenstreichen, präsentieren die Schmidts ihren Kunden in der Ladentheke eine verführerische Vielfalt.

Gute Lebensmittel, gute Ernährung, gutes Essen und selber kochen — über dieses herzhafte Thema könnte Julia Schmidt stundenlang philosophieren und diskutieren. „Irgendwie bewundere ich unsere Nachbarn, die Franzosen, die seit jeher so viel Wert auf gutes Essen und beste Zutaten legen.“

Färsenfleisch – zart und aromatisch

Die Unternehmerin spricht von einem Nischengeschäft, in das sie den Familienbetrieb geführt hat. „Erfreulicherweise haben wir Kunden, die unsere Qualität zu schätzen wissen.“ Ein Beispiel: Das Schmidtsche Rindfleisch stammt ausschließlich von Färsen, das sind weibliche, höchstens zwei Jahre alter Rinder, die noch nicht gekalbt haben – „und ein ganz zartes, aromatisches Fleisch liefern“. Von Rindvieh zumal, das zufrieden auf saftigen Wiesen in der Eifel gegrast hat. „Dann kostet das fünf Wochen gereifte Roastbeef allerdings auch fünf Euro je Kilo mehr.“

Und was sind ihre eigenen Lieblingswürste? „Natürlich die Fleischwurst und die lufttrockene Mettwurst im Ring – die esse ich vom Stück“, sagt sie.

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