Messe-Jury in Essen entscheidet über das 200 Mio-Euro Projekt Ausbau

Wolfgang Kintscher
Um dieses Areal geht es: In der Mitte links die Grugahalle, unten der Blumenhof, rechts der nördliche Hallenkomplex der Messe Essen, die komplett abgerissen und neu errichtet werden sollen.
Um dieses Areal geht es: In der Mitte links die Grugahalle, unten der Blumenhof, rechts der nördliche Hallenkomplex der Messe Essen, die komplett abgerissen und neu errichtet werden sollen.
Foto: Hans Blossey
Die Messe Essen wird aus- und umgebaut. Am 23. Oktober entscheidet die elfköpfige Messe-Jury über den Entwurf für das 200 Millionen Euro-Projekt. Der ehemalige Stadtdirektor Christian Hülsmann, der für die CDU im Messe-Aufsichtsrat sitzt, empfiehlt dem Oberbürgermeister in einem vertraulichen Brief, vorab Klarheit über den Siegerentwurf zu schaffen.

Essen. Ein zweites Thurmfeld an der Messe? Alles, bloß das nicht, heißt es allerorten in Essen. Denn dass sich in der Jury eines ausgelobten Architekten-Wettbewerbes hüben die Architekten und drüben die Politiker unversöhnlich gegenübersitzen und am Ende eine Kampfabstimmung über den Siegerentwurf entscheidet – so etwas könnte bei der Entscheidung über den Messe-Ausbau bundesweit für Spott und Stirnrunzeln sorgen. Einerseits.

Andererseits schwingt da unter den Verantwortlichen offenbar eine leise Sorge mit, die vier Architekten in der elfköpfigen Messe-Jury könnten bei der entscheidenden Sitzung am Dienstag der kommenden Woche einem Entwurf aufs Siegertreppchen verhelfen, der zwar schön anzuschauen ist, den Messe-Belangen aber nicht in jenem Umfang Rechnung trägt, wie man es hier gerne sähe.

Brief an Oberbürgermeister Paß

Als Ausweg aus diesem Dilemma plädiert der ehemalige Stadtdirektor Christian Hülsmann, der für die CDU im Messe-Aufsichtsrat sitzt, für einen Kniff, der unter den wenigen Eingeweihten im Rathaus für Furore sorgt: In einem vertraulichen Brief an Oberbürgermeister Reinhard Paß empfiehlt Hülsmann, die Fach- und Sachpreisrichter aus dem so genannten „Konzern Stadt“ zu einem Gespräch einzuladen. Darin, so heißt es in dem Schreiben, „sollte Klarheit darüber erzielt werden, mit welchem Entwurf, mit welchen Entwürfen das in der Auslobung beschriebene ,primäre, strategische Ziel’ (nämlich die Rücksicht auf Messe-Belange, Anmerkung der Redaktion) am ehesten erreicht werden kann.“

Insgesamt sind sechs der elf Mitglieder im Preisgericht dem „Konzern Stadt“ zuzuordnen: der Oberbürgermeister und die beiden Dezernenten Hans-Jürgen Best (Planen) und Simone Raskob (Bauen), Messe-Chef Frank Thorwirth, „Grün und Gruga“-Chef Bernd Schmidt-Knop sowie CDU-Fraktionschef Thomas Kufen. Könnte man sich abseits der Preisgerichts-Sitzung in diesem Kreis bereits auf ein Vor-Urteil einigen, wäre die Jury-Mehrheit zum Messe-Ausbau für den jeweiligen Entwurf schon festgezurrt. Sicherheitshalber.

Fragt sich bloß, was die Architekten von einem solchen Vorgehen hielten. Vier sind im Preisgericht vertreten, darunter der Präsident der Architektenkammer NRW, Hartmut Miksch, der jüngst im NRZ-Interview betonte, „keinen schlechten Eindruck“ von der Jury zum Messe-Neubau zu haben. Aber auch Kaspar Kraemer, bis 2007 Präsident des Bundes Deutscher Architekten – und Chef der Thurmfeld-Jury, ausgerechnet.

Ob der OB überhaupt auf Hülsmanns Empfehlung eingehen will, ist ungeklärt. Der Brief, so hört man, ging prompt ans Rechtsamt.