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Meinung: Rossmann wird RossFRAU – Warum solche Aktionen zum Weltfrauentag heuchlerisch sind

Am 8. März, dem Weltfrauentag, wird Rossmann einen Tag zu RossFRAU.
Am 8. März, dem Weltfrauentag, wird Rossmann einen Tag zu RossFRAU.
Foto: dpa
  • Meinung: Rossmann wird RossFRAU
  • Warum solche Aktionen zum Weltfrauentag heuchlerisch sind

Essen. Am 8. März ist es wieder soweit: Am Weltfrauentag dreht sich alles einen Tag lang um das weibliche Geschlecht. Im Klartext: Alle großen Firmen setzen ihre Weiblichkeit in femininen Werbe-Inszenierungen in Szene.

Wie jedes Jahr überlegt sich dann die meist männliche Riege in den Chefetagen der Konzerne, wie man so tun könnte, als ob man ganz „Frau“ wäre. Gleichberechtigung und so.

Prinzessinnen-Klischees zum Weltfrauentag

Bei Rossmann kam man dieses Jahr auf eine besonders fixe Idee: „Lass uns doch aus dem ,Mann' im Unternehmensnamen eine ,Frau' machen!“ Das Marketingteam schuf daraufhin für eine Woche die symbolische RossFRAU mitsamt barbusigem Zentaur. Unter dem Hashtag #lassdiefrauraus und einem putzigen Werbefilmchen, mit täglichen Vorstellungen verschiedener Frauentypen, versucht der Drogerie-Riese, die Diversität der Frau zu feiern.

Das traurige Ergebnis: Das Frauenbild trieft nicht nur im Clip vor gutaussehenden Model-Klischees – auch die einzelnen Frauentypen erzeugen rosarote Würgereflexe. Ob „Beautyqueen“, „Diva“ oder doch lieber „Prinzessin“ - kecke Sprüche wie „Als kleines Mädchen hat jede Frau davon geträumt und auch heute begleitet sie uns noch: die Prinzessin in uns“, und „Fühlt euch wie eine Königin und lasst die Beautyqueen raus!“, lassen die Frau mal wieder so richtig Girl sein. Adé 2018 – hallo, weichgespülte Mädchenträume der 60er.

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Dass es hier nur um eines geht, wird spätestens bei der Typbeschreibung deutlich: nämlich um Umsatz. Denn hier achtet die „Powerfrau“ genauso wie die „Naturschönheit“ auf ihr Äußeres. Die unterschwellige Botschaft: Kauft, kauft, kauft – ihr wunderbaren Ladys!

Wie wäre es mit gleichen Preisen für gleiche Produkte?

Denn die „Diven“ und „Naschkatzen“ machen 80 Prozent des Kundenstamms aus. Sie sollen weiterhin Pflege- und Kosmetikprodukte für Frauen kaufen. Die Kosten nämlich gerne mal über 100 Prozent mehr als ihre männlichen Pendants.

Weil Frau Frau ist, darf sie also noch zusätzlich eine „Pink Tax“ (rosa Steuer) auf den Tisch legen. So wird das Phänomen bezeichnet, bei dem Frauen für fast identische Produkte deutlich höhere Preise als Männer bezahlen. Der Mehrpreis macht besonders wenig Sinn, wenn man bedenkt, dass in Deutschland ein Lohngefälle zwischen den Geschlechtern vorhanden ist.

Deswegen meine Idee: Liebe Ross-MENSCHEN, wäre es nicht mal eine wirklich sinnvolle Aktion, die Preise für sogenannte geschlechterspezifische Produkte anzugleichen?!

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