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Auf dem Bahndamm von Borbeck nach Altendorf und retour: 3,50 Meter ist die Trasse breit, verfügt über zwei Rampen und zwei ebenerdige Zugänge. Der 1,25 Millionen Euro Bau wurde zu 90 Prozent aus einem Bund-Länder-Programm finanziert, den Rest steuerte der Regionalverband Ruhr bei.
Auf dem Bahndamm von Borbeck nach Altendorf und retour: 3,50 Meter ist die Trasse breit, verfügt über zwei Rampen und zwei ebenerdige Zugänge. Der 1,25 Millionen Euro Bau wurde zu 90 Prozent aus einem Bund-Länder-Programm finanziert, den Rest steuerte der Regionalverband Ruhr bei.
Foto: WAZ Fotopool
Essens Radroutennetz ist um einen Abzweig reicher: von Altendorf bis Borbeck.

Essen.. Wer es gar nicht mehr erwarten konnte, der kam einfach einen Tag früher. Störte sich nicht groß daran, dass die Pflasterarbeiten am Ziel-Bahnhof noch in vollem Gange waren, sondern genoss das Premieren-Gefühl, bei strahlendem Sonnenschein seinen Drahtesel vom Schölerpad zum Bahnhof Borbeck rollen zu lassen.

Die Fuß- und Radwegtrasse, die da im Nordwesten der Stadt binnen eines Jahres für 1,25 Millionen Euro entstand, ist nicht sonderlich lang: rund 1,8 Kilometer. Doch weder dieser Umstand noch der Regen zur Eröffnung am Samstag nahm Spaziergängern wie Radlern die Freude, von nun an nicht nur bequem zwischen dem Bahnhof in Borbeck und dem Schölerpad in Altendorf (wenn man so will: zwischen Dampfbierbrauerei und Finca Zwo) pendeln zu können. Sie haben hüben auch Anschluss ans Pausmühlenbachtal und drüben an die Rheinische Bahn.

Und so verfestigt sich der Eindruck, dass es Zug um Zug richtig was wird mit dem Radroutennetz zwischen Karnap und Kettwig.

Nächste Projekte geplant

Dies zumal die nächsten Projekte längst schon in der Planung sind, wenn die Großkopferten feierlich Eröffnungsbänder durchschneiden: „Es ist noch lange nicht zu Ende“, versprach deshalb auch Ulrich Carow, beim Regionalverband Ruhr (RVR) für den Bereich Umwelt zuständig: Im nächsten Jahr steht der 1,4 Kilometer lange Anschluss der Rheinischen Bahn an die Grugatrasse auf dem Bauprogramm, von Kaldenhover Baum bis Frohnhauser Weg. Und bis 2015 soll der „Radschnellweg“ der Rheinischen Bahn bis zum Mülheimer Hauptbahnhof durchgestreckt werden – und von da ist es nicht mehr weit bis zum Ruhrufer.

Daneben plant die Stadt vor allem im Zuge des Programms „Neue Wege zum Wasser“, das 148 Kilometer lange Routennetz in den nächsten Jahren um weitere 24 Kilometer zu ergänzen. Da geht es mal um eine simple Querungshilfe, mal um eine kurze Verknüpfung und mal darum, vorhandene Wege aufzubrezeln.

Neue Strecken

Aber auch neue Strecken gehören dazu, etwa das Rommenhöllergleis in Rüttenscheid. Im Herbst soll die Politik die entsprechenden Beschlüsse fassen. Ein anderes Vorhaben kann sogar mit einem ministeriellen Segen aufwarten: Die Trasse der ehemaligen Kruppschen Werksbahn soll bis 2017 von der Pferdebahn bis zum Sulterkamp für Radler und Spaziergänger erschlossen werden.

So jedenfalls hat es NRW-Verkehrsminister Michael Groschek vor einigen Wochen im Rahmen jenes „Maßnahmenpakets“ verkündet, das den Verzicht auf den Weiterbau der Autobahn A52 schmackhaft machen sollte. RVR-Umweltmann Carow scheint über die Festlegung nicht ganz so glücklich: Man habe, sagte er am Samstag auf Nachfrage, bislang andere finanzielle Prioritäten gesetzt.

Die Kosten

Klar ist: Die 7,3 Kilometer lange Krupp-Bahn-Trasse, die längs der Bottroper Straße über Hövel- und Helenenstraße bis hinters Stadion an der Hafenstraße führt und dort an den Berne-Radweg angebunden werden könnte, wird kein billiges Vergnügen.

Schon bei kleineren Vorhaben achtet der RVR bereits jetzt auf die Kosten: Der Anschluss von Schölerpad nach Borbeck etwa entstand wieder als so genannte wassergebundene Decke. Asphalt mag Mensch und Material mehr schonen, kostet aber in etwa doppelt so viel, weiß Projektleiter Christoph Haep vom Regionalverband, der die neu gebauten Strecken dann an die Stadt weiterreicht.

Die sorgt für Unterhalt und Verkehrssicherung. Da leuchtet ein, warum die Strecken – was ihre Nutzung im Winterhalbjahr arg einschränkt – nicht beleuchtet sind: zu teuer. Zudem entstünde dann wohl auch Druck, Winterdienst zu organisieren.

Radfahren kommt gelegentlich eben teuer, was mit polizeilicher Hilfe zum Start der Borbeck-Altendorf-Trasse aufs Vortrefflichste in Erinnerung gerufen wurde: mit dem aktuellen Bußgeldkatalog.

OB – mit dem Rat zur Messe

Ein Rad hatte er nicht dabei, dafür aber einen Rat – nicht zu Verkehrsfragen, nein, OB Paß nutzte am Samstag die Radweg-Freigabe vielmehr, um gegen das Messe-Begehren Wort zu ergreifen. Das kam nicht überall gut an, zumal die Befürworter sich das Unterschriftensammeln gezielt verkniffen hatten.

 
 

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