Medizin-Studenten übten Notfall-Einsatz nach U-Bahn-Unfall

An der U-Bahn Haltestelle Messe West / Gruga in Essen fand eine gemeinsame Übung der Rettungskräöfte statt. Mit dem Skills Lab der Uni Essen Duisburg wird der Einsatz und Koordination von Notärzten und Helfern geübt. Simuliert wurde ein Unglück mit einer U-Bahn.
An der U-Bahn Haltestelle Messe West / Gruga in Essen fand eine gemeinsame Übung der Rettungskräöfte statt. Mit dem Skills Lab der Uni Essen Duisburg wird der Einsatz und Koordination von Notärzten und Helfern geübt. Simuliert wurde ein Unglück mit einer U-Bahn.
Foto: Dirk Bauer
Studenten der medizinischen Fakultät der Uni Duisburg-Essen üben mit Notärzten den Einsatz bei einem U-Bahn-Unfall. Lebensecht geschminkte Unfallopfer.

Essen.. „Was ist denn hier los“, fragt eine Frau schockiert auf dem Weg zur U-Bahn. Der überdachte Eingang zur Endhaltestelle der U11 Messe West/Süd Gruga hat sich in am Samstagvormittag in ein Lazarett verwandelt: Liege an Liege mit teils Blut überströmten Verletzten, Sanitäter und Feuerwehrmänner eilen von Patient zu Patient, über die Rolltreppe bringen Helfer neue Opfer hoch. Doch ein Helfer beruhig eine besorgte Dame: „Das ist nur eine Übung.“ Studenten der medizinischen Fakultät der Uni Duisburg-Essen simulieren einen Großeinsatz nach einem Unfall.

Das Szenario der lebensecht gestalteten Simulation scheint ernst: Eine U-Bahn ist mit voller Wucht in die Endhaltestelle gerast – offenbar erlitt der Fahrer eine Herzattacke. In dem Tunnel ist die Bahn zum Stehen gekommen, rund 18 Passagiere sind zum Teil schwer verletzt. Bald rücken Feuerwehr und Hilfskräfte an, bergen und versorgen die Verletzten.

Höhepunkt der Sommerakademie

Mit einigem Stolz überblickt Hanjo Groetschel das Geschehen. Der Notarzt hat vor zehn Jahren die Notfallmedizinische Sommerakademie ins Leben gerufen, die den Studenten einen besseren Einblick in den künftigen Berufsalltag geben soll. Die Simulation des Großeinsatzes ist der Höhepunkt der einwöchigen Akademie: Neben den 30 teilnehmenden Studenten sind auch rund 120 Einsatzkräfte der Feuerwehr und von Hilfsorganisationen wie Johanniter und ASB im Einsatz

„Die Studenten haben die Versorgung vorbildlich strukturiert“, lobt er. Vor der Bushaltestelle kommen die „leicht Verletzten“ zusammen, der überdachte Eingangsbereich ist für die schwereren Fälle bestimmt. Dabei übernehmen die Studenten nicht nur den Part der Versorger, auch in die Rolle der Verletzten schlüpfen 16 von ihnen.

Simulations-Patienten-Pogramm

Dafür hat sie Dr. Stefanie Merse vom Simulations-Patienten-Programm der Uni nicht nur lebensecht geschminkt: Jedes vermeintliche Opfer bekommt zudem eine Geschichte verpasst. „Ich habe meinen Ohrring beim Unfall verloren, das ist in der Situation das Wichtigste für mich“, erläutert etwa Sepideh Karim-Payab ihr Trauma: Denn neben dem Ohrring hat sie – dank verblüffend echter Schminke – auch ein halbes Ohr verloren. „In die Rolle eines Opfers zu schlüpfen, hilft uns angehenden Ärzten, so eine Situation auch aus anderen Blickwinkeln zu betrachten“, sagt die Studentin.

Und auch darum gehe es bei dem Rollenspiel, so Hanjo Groetschel: „Wenn die Studenten sich in die Rolle von Patienten hineinversetzen, dann können sie auch bei späteren Einsätzen davon profitieren, indem sie größeres Einfühlungsvermögen an den Tag legen.“

Ein weiterer Vorteil der Simulation: „Die Studenten lernen, mit den anderen Berufsgruppen wie Feuerwehr, Polizei und Hilfsdiensten zusammenzuarbeiten“, betont Groetschel.

 
 

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