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Medikamenten-Prozess gegen Skandal-Apotheker: Opfer sprechen von „Massenmord“

Der Apotheker Peter S. muss sich wegen Betrugs und Körperverletzung verantworten.
Der Apotheker Peter S. muss sich wegen Betrugs und Körperverletzung verantworten.
Foto: Der Westen
  • Vor dem Essener Landgericht beginnt am Montag der Prozess um den Apotheker Peter S.
  • Er soll in tausenden Fällen Krebsmedikamente gepanscht haben

Essen. Er soll lebenswichtige Krebsmedikamente in über 60.000 Fällen gepanscht und teuer an seine Kunden verkauft haben. Jetzt muss sich Skandal-Apotheker Peter S. vor dem Essener Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Bottroper Betrug und Körperverletzung vor. 800 Seiten lang ist die Anklageschrift.

Gleich zu Beginn des Prozess wollte ein Anwalt eines Opfers die Verlegung des Prozess vor ein Schwurgericht erreichen. Dort werden schwere Delikte wie Mord und Totschlag verhandelt. Der Anwalt spricht bei den Taten von Peter S. von einem „Massenmord“. Dem Apotheker sei ein Tötungsvorsatz und Heimtücke nachzuweisen, sagten mehrere Anwälte am Montag vor Gericht.

Der Fall hatte Deutschlandweit für Empörung gesorgt (Hier liest du alles über das Ausmaß des Prozesses). Medienvertreter aus der gesamten Bundesrepublik kamen zum ersten Prozesstag. Die gestreckten Medikamente wurden vorwiegend an Krebspatienten in NRW ausgegeben. Lieferungen gingen aber auch nach Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Sachsen und ins Saarland.

Ebenfalls vor Ort waren die Anwälte von neun Nebenklägern. Als die Apotheke von Peter S. durchsucht wurde, fand die Polizei Medikamente, die sie bekommen sollten. Fast alle waren zu niedrig dosiert. Auch einige der Krebspatienten kamen zum Verhandlungsstart. Sie trugen eine weiße Rose am Hemdkragen.

Die Zuschauerplätze waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Einige Zuschauer kamen gar nicht mehr in den Gerichtssaal. Zunächst sind 13 Verhandlungstage geplant.

Peter S. wurde noch vor dem Prozessauftakt vom Essener Gefängnis in die JVA Wuppertal verlegt. Offenbar gab es Hinweise darauf, dass der Apotheker Repressionen zu befürchten hatte. Vier Verteidiger vertreten ihn.

(ds/fb)

 

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