Essen

Marteria und Casper in Essen: Opfer mit erschütterndem Bericht – „Als ich zu mir kam, hing mein Ohr vom Kopf ab“

Diese LED-Leinwand beim Konzert von Materia und Casper am Baldeneysee in Essen in die Menge.
Diese LED-Leinwand beim Konzert von Materia und Casper am Baldeneysee in Essen in die Menge.
Foto: dpa

Essen. Beim Konzert von Marteria und Casper in Essen haben sich vor zwei Wochen schreckliche Szenen abgespielt. Ein Unwetter zog plötzlich am Baldeneysee auf. Dabei löste sich eine LED-Leinwand und krachte in die Menge.

Die Polizei spricht mittlerweile von 31 Verletzten. Zwei von ihnen schwebten in der Nacht nach dem Konzert von Marteria und Casper zunächst in Lebensgefahr. Neben einer dieser beiden Schwerverletzten saß Jens (Name auf Wunsch von der Redaktion geändert), als die Sanitäter ihn versorgten. Zu diesem Zeitpunkt hing sein Ohr nur noch am seidenen Faden.

Marteria und Casper in Essen: „Als ich aufwachte, habe ich meine Freundin nicht mehr gesehen“

Was sich vorher zugetragen hatte, das bekommt der junge Mann nur bruchstückhaft zusammen. „Meine Freundin und ich standen ziemlich weit vorne“, erinnert er sich im Gespräch mit DER WESTEN. Als das Unwetter aufzog, habe er gesehen, dass sich die Leinwand bewegt. Innerhalb kurzer Zeit sei es extrem windig geworden.

„Dann hat es angefangen zu schütten wie bescheuert“, so Jens. Darüber habe er sich noch gefreut. „Es war ja brutal heiß an dem Tag.“ Dann ging alles ganz schnell. Vom Unglück selbst wisse er wegen eines Blackouts nichts mehr. Jens erinnert sich nur noch daran, dass seine Freundin ein Stück zur Seite gegangen sei, um mit den Securitys zu sprechen.

„Als ich zu mir kam, hing mein Ohr vom Kopf ab und ich habe meine Freundin nicht mehr gesehen“, sagt er.

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„Ich war so voller Adrenalin“

Als erstes habe er mitgeholfen, einen umgestürzten Bauzaun aufzuheben, „weil wir dachten, dass da Leute drunter sein könnten“. Ob tatsächlich jemand darunter begraben lag? „Keine Ahnung. Ich war so voller Adrenalin“, berichtet Jens.

Dann endlich fand er seine schwer verletzte Freundin und habe nach Hilfe gesucht. Die Zustände seien chaotisch gewesen. „Mit so einer Situation rechnet ja auch niemand“, findet er. Nach einer gefühlten Ewigkeit sei das Paar mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gekommen.

„Ich sah schlimm aus, aber...“

In der Klinik konnte sein Ohr wieder angenäht werden. „Ich sah zunächst schlimmer aus, aber wie sich herausstellte, hat es sie schwerer getroffen“, sagt Jens. Seine Freundin hat ihn gebeten, nicht öffentlich über ihr Verletzungsbild zu sprechen.

Die Polizei teilte am Freitag zunächst mit, dass alle Verletzten aus den Krankenhäusern entlassen worden seien. Auf Nachfrage von DER WESTEN bestätigten die Beamten aber, dass in der Kommunikation mit den unterschiedlichen Kliniken ein Missverständnis vorgekommen sein muss.

Denn die Frau liege noch immer im Krankenhaus. Wenn alles gut geht, könne sie allerdings vielleicht schon in der nächsten Woche entlassen werden. Sein Fazit des Abends ist mehr als verständlich: „Das haben wir uns alles ganz anders vorgestellt.“

 
 

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