Margarethe von Trotta hielt ihre erste Vorlesung als Mercator-Professorin

Jasmin Fischer
Eine strahlende Margarethe von Trotta auf der Pressekonferenz der Universität Duisburg-Essen vor ihrer Antrittsvorlesung. Über die prominente Dozentin freut sich im Hintergrund Uni-Rektor Prof. Ulrich Radke.
Eine strahlende Margarethe von Trotta auf der Pressekonferenz der Universität Duisburg-Essen vor ihrer Antrittsvorlesung. Über die prominente Dozentin freut sich im Hintergrund Uni-Rektor Prof. Ulrich Radke.
Foto: WAZ FotoPool
Regisseurin Margarethe von Trotta hatte am Dienstag ihre Antrittsvorlesung als Mercator-Professorin an der Universität Duisburg-Essen. Vorher gestand die 71-jährige Wahl-Pariserin, wie schwierig ihr Weg zum Erfolg war. „Als Frau beim Film konnte man früher Maskenbildnerin oder Garderobiere werden, aber nicht mehr.“

Duisburg/Essen. Mehr Flair in einem Hörsaal ist kaum möglich: Regisseurin und Drehbuchautorin Margarethe von Trotta hat ihre Mercator-Professur an der Universität Duisburg-Essen gestern mit einem Vortrag zur deutschen Geschichte im Film begonnen. Dass dabei neben aller Theorie auch Haltung und Lebenserfahrung der Grande Dame des Films funkeln durften, macht ihre Ernennung erst recht zum Coup.

Mit Rosa Luxembourg, Hildegard von Bingen und Hannah Arendt hat die renommierte Leinwand-Virtuosin starke, unabhängige Frauen und ein Stück deutsche Geschichte porträtiert. Ihr Werk ist preisgekrönt, ihr eigenes Leben filmverdächtig. Da mag es manchen Studenten in der Vorlesung trösten, dass auch eine Margarethe von Trotta sich den Erfolg hart erarbeiten musste. „Ich wollte immer Regisseurin werden“, erinnert sie sich an ihre Anfänge. „Aber ich habe es nicht laut gesagt: Ich hätte mich ja lächerlich gemacht. Als Frau beim Film konnte man früher Maskenbildnerin oder Garderobiere werden, aber nicht mehr.“

„Filmpreise räumen fast ausschließlich Männer ab“

Als staatenlose Tochter einer deutsch-baltischen Aristokratin hat die heute 71-Jährige in Düsseldorf die Höhere Handelsschule abgeschlossen, bevor sie sich in Paris mit Gelegenheitsjobs über Wasser hielt – im Kopf den fast unmöglichen Traum einer Regisseurs-Karriere. „Damals konnte man mit einer Kinokarte den ganzen Tag im Vorführsaal sitzen bleiben und den gleichen Film immer wieder von vorne schauen“, erzählt sie. So eignet von Trotta sich das Handwerkszeug an. Sie liest Sigmund Freud, auf Französisch, weil ihr für die deutschen Originale ebenfalls das Geld fehlt.

„Heute haben es Studenten einfacher“, sagt sie. „Schon allein, weil es Filmhochschulen gibt.“ Es freue sie, dass sie dort heute zur Hälfte Frauen in den Rängen entdecke, auch wenn es sie schmerzt, dass „Filmpreise trotzdem noch immer fast ausschließlich von Männern abgeräumt werden und Filmprojekte von männlichen Autoren schneller Finanziers finden“. Erfolgshungrigen Studentinnen gibt die Frauenrechtlerin mit auf den Weg: „Zeigt Durchsetzungsvermögen, habt Mut zu Euch selbst, seid enthusiastisch und haltet durch.“ Geschickte Investitionen in die eigene Karriere zahlten sich natürlich auch aus: „Ich habe manchmal auch uninteressante Schauspielrollen angenommen, nur um die Arbeitsweise eines Regisseurs kennenzulernen.“

Über ihre Mercator-Professur, für die sie im Februar ein zweites Mal für einen Vortrag aus Paris ins Ruhrgebiet, nach Essen, reist, freut sich von Trotta: „Das ist, als ob man eine Krone aufgesetzt bekommt.“ Der Vortrag vor vollem Hörsaal erfülle sie aber auch „mit Schüchternheit“. Bescheidener und charmanter hat sich noch kein Gastprofessor am Campus vorgestellt.