Mantrailer-Hund nahm Fährte von vermisstem Pierre Pahlke auf

Philipp Wahl, Martin Spletter und Gerd Niewerth
Pierre Pahlke (21) ist seit dem 17. September spurlos verschwunden. Am Donnerstag durchsuchte die Polizei die Wohnung eines Verdächtigen in Essen-Frillendorf. Im Fenster gegenüber hängen Vermisstenmeldungen.
Pierre Pahlke (21) ist seit dem 17. September spurlos verschwunden. Am Donnerstag durchsuchte die Polizei die Wohnung eines Verdächtigen in Essen-Frillendorf. Im Fenster gegenüber hängen Vermisstenmeldungen.
Foto: Knut Vahlensieck / WAZ Fotopool
Wende im Vermisstenfall Pierre Pahlke: Die Fahnder der Mordkommission vernehmen seit Mittwochnachmittag einen Verdächtigen. Am Donnerstagmorgen untersuchten Ermittler der Spurensicherung die Wohnung des Mannes unweit des Heims, in dem der 21-Jährige lebt. Es gibt anscheinend kaum noch Hoffnung, dass der seit dem 17. September vermisste Pierre noch lebt.

Essen. Dramatische Wende im Fall des vermissten Pierre Pahlke: Die Polizei hat Hinweise darauf, dass der 21-Jährige Opfer eines Verbrechens geworden ist: Die Fahnder der Mordkommission vernehmen seit Mittwochnachmittag einen Tatverdächtigen.

Das bestätigte Polizeisprecher Peter Elke auf Anfrage in Absprache mit der Staatsanwaltschaft. Zeitgleich untersucht die Spurensicherung seit Donnerstagmorgen eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus an der Hubertstraße.

Die Räume in Frillendorf liegen nur wenige hundert Meter entfernt von dem „Netto“-Markt, in dem der geistig zurückgebliebene Pierre am 17. September um 19 Uhr zuletzt gesehen wurde. Es gibt anscheinend kaum noch Hoffnung, dass Pierre noch lebt.

Hunde führten Fahnder zur Wohnung des Verdächtigen

Am Morgen erhellen immer wieder Blitze die Räume im ersten Stock des Mehrfamilienhauses in Frillendorf. Gegenüber liegt auch ein Wohnhaus der Heimstatt-Engelbert. In ein anderthalb Kilometer entferntes Haus der Einrichtung war Pierre im Juli 2012 eingezogen.

Bis zu sieben Beamten der Spurensicherung und der Mordkommission durchsuchen die Wohnung an der Hubertstraße, suchen auch nach DNA-Spuren. Möglicherweise war Pierre hier. Polizeisprecher Elke erklärt dazu nur, ein Mantrailer-Hund habe die Fahnder zur Wohnung geführt. Er spricht aber "von einer Spur von vielen", von "einem Verdächtigen" und warnt "vor Vorverurteilungen". Ein Kapitalverbrechen sei aber nicht auszuschließen.

In den vergangenen Tagen, in denen speziell trainierte Hunde aus ganz Deutschland immer wieder in der Frillendorfer Nachbarschaft schnüffelten, hätten die Spürnasen mehrfach Zeichen gegeben und ihre Herrchen an verschiedene Orte geführt: "Das sind alles Spuren, die wir nun auswerten müssen." Die chemische Analyse der in der Wohnung gesicherten Spuren werde noch Tage dauern, die Vernehmung des Tatverdächtigen noch mehrere Stunden.

Nach einem Bericht der Bild-Zeitung vom Donnerstag sollen Polizisten bereits am Freitag, 4. Oktober, einen Verdächtigen in der Nachbarschaft festgenommen haben. Polizeisprecher Elke kann das "weder bestätigen, noch dementieren". Er sagt aber: "Im Vermisstenfall Pierre ist zurzeit kein Verdächtiger in Untersuchungshaft."

Pierres Mitbewohner sind "zutiefst betroffen"

In der Heimstatt Engelbert auf der Manderscheidtstraße, in der Pierre Pahlke seit über einem Jahr lebt, wühlen die neuen, schrecklichen Nachrichten die Mitarbeiter und Bewohner auf. "Wir sind zutiefst betroffen", sagt die Bereichsleiterin Manuela Krienen-Schräpler, die den 21-Jährigen betreut hat. Dass Pierre verschwunden war, wurde in dem Wohnheim am Dienstag, 17. September um 19 Uhr bemerkt. Der Zeitpunkt, an dem die Bewohner ihr Abendessen einnehmen. Sofort wurde eine Suche eingeleitet. Weil diese ergebnislos verlief, alarmierte die Heimleitung gegen 22 Uhr die Polizei.

Die hatte in den 23 Tagen danach bereits mit Hundertschaften und Hubschraubern nach dem spurlos verschwundenen 21-Jährigen gesucht. Die Anteilnahme der Bevölkerung an dem Vermisstenfall ist seither nicht nur in seinem Heim und in der Nachbarschaft sehr groß. Im Internet tauschten sich Nutzer zum Beispiel auf der Facebook-Seite "Pierre vermisst" aus und organisierten Suchteams.

Pierres verzweifelte Eltern hatten die Umgebung des Heims in den ersten Tagen nach dem Verschwinden ihres Sohnes regelrecht zugepflastert mit Vermissten-Meldungen. Auch die Fahnder der Mordkommission kehrten immer wieder in jenes übersichtliche Frillendorfer Quartier zurück, in dem sich Pierre seit einem Jahr bewegt. Es ist sein Mini-Kosmos zwischen der Heimstatt Engelbert, dem Trinkgut-Markt nebenan, den er mehrfach am Tag frequentiert hat und der Hubertstraße.