Malteser-Werber zieht 96-jährigen Borbecker über den Tisch

Bedauert das „absolute Fehlverhalten“ eines Werbers: Benjamin Schreiber, stellvertretender  Diözesangeschäftsführer des Malteser Hilfsdienstes in Essen.
Bedauert das „absolute Fehlverhalten“ eines Werbers: Benjamin Schreiber, stellvertretender Diözesangeschäftsführer des Malteser Hilfsdienstes in Essen.
Foto: Manfred Sander
  • Senior schloss Fördermitgliedschaft über jährlich 480 Euro ab, üblich sind 60 Euro
  • Malteser Hilfsdienst hat das Geld nach Beschwerde wieder zurückgezahlt und Vertrag storniert
  • Betreuerin des 96-Jährigen hatte die Praktiken des Werbers angeprangert

Essen.. Helmut R., ein Rentner aus Borbeck, Jahrgang 1920, besitzt ein großes Herz und ist hilfsbereit. So sehr, dass er vor kurzem eine Fördermitgliedschaft für den Malteser Hilfsdienst e.V. übernommen hat. Die ruppige Art und Weise, wie dieser Vertrag offenbar zustande gekommen ist, empfindet seine Betreuerin Roswitha Passmann jedoch als hanebüchen und beinahe kriminell. Mit ihrer Beschwerde hatte sie Erfolg. Benjamin Schreiber, stellvertretender Diözesangeschäftsführer der Essener Malteser, hat sich für das „Fehlverhalten des Werbers“ entschuldigt und die Rücküberweisung des gesamten eingezogenen Beitrags veranlasst. Schreiber gesteht: „Wir ärgern uns maßlos.“

Was war passiert? Der Betreuerin zufolge soll Helmut R. von dem Werber „massiv bearbeitet“ worden sei. Daraufhin habe er die Fördermitgliedschaft über „sage und schreibe 480 Euro“ im Jahr unterschrieben. „Herr R. sagte mir, dass der Werber ihn quasi unter Druck gesetzt hat“, gibt Roswitha Passmann in ihrem Beschwerdebrief an die Malteser an, den sie als Kopie auch an die Verbraucherzentrale geschickt hat. Einen 96 Jahre alten Rentner dermaßen in die Mangel zu nehmen, passe einfach nicht zum Bild einer Organisation, die sich als wohltätig verstehe.

Helmut R. hat die Fördermitgliedschaft inzwischen gekündigt und die 480 Euro zurückverlangt. Mit Erfolg. „Die Umstände, unter denen Herr R. eine Fördermitgliedschaft abgeschlossen hat, stehen gänzlich im Widerspruch zur Moral und Ethik der Fördermitgliederwerbung bei den Maltesern“, räumt der Malteser-Vize ein.

Seinen Angaben zufolge sei eine Bottroper Agentur damit beauftragt, im gesamten Bistum Fördermitglieder für die Malteser zu gewinnen. Der Jahresbeitrag liege üblicherweise zwischen 30 und 60 Euro, nicht jedoch bei 480 Euro.

Aus dem am 17. August unterzeichneten Vertrag geht hervor, dass die 480 Euro zunächst per Lastschrift eingezogen und dem Malteser-Konto bei der Postbank gut geschrieben wurden. „Der Werber hat sich zwar nicht persönlich bereichert, trotzdem liegt ein absolutes Fehlverhalten vor“, betont Malteser-Mann Schreiber. Sowohl Herr R. als auch seine Betreuerin würden umgehend eine persönliche Entschuldigung erhalten. „Vom besagten Mitgliederwerber haben wir uns in der Zwischenzeit bereits getrennt“, fügt Schreiber hinzu.

Dass der Malteser Hilfsdienst so rasch auf die Beschwerde reagiert hat, kommt nicht von ungefähr. „Unsere Fördermitglieder sind die Säule unseres Handelns“, betont Schreiber, und fügt hinzu: „Ohne sie ginge bei uns das Licht aus.“

Im Bistum Essen engagieren sich knapp 18 000 Fördermitglieder bei den Maltesern und ermöglichen zahlreiche karitative und soziale Dienste, wie zum Beispiel Benimmkurse für Jugendliche, Mahlzeiten-Patenschaften für Senioren oder den Besuchshundedienst in Pflegeeinrichtungen. Der katholische Malteserhilfsdienst wird vom Caritasverband und dem Malteserorden getragen. Die evangelische Organisation ist die Johanniter Unfall-Hilfe.

 
 

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