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Machtkampf der Aldi-Erben eskaliert

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Babette Albrecht wird von ihrem Schwager Theo Albrecht attackiert. Die Witwe von Berthold Albrecht wehrt sich gegen die Vorwürfe. Foto: dpa
Der Ton im Streit um die Kontrolle bei Aldi Nord wird schärfer. Theo Albrecht jr. wirft seiner Schwägerin Babette „Selbstbedienung am Vermögen“ vor. Diese wehrt sich.

Essen. 

Der Machtkampf um den Einfluss beim Essener Discounter-Riesen Aldi Nord wird immer schärfer. Theo Albrecht junior, Sohn des Unternehmensgründers Theo, will offenbar das alleinige Sagen im Konzern haben und die Hinterbliebenen seines verstorbenen Bruders Berthold aus der Firma drängen. Doch die Witwe Babette und ihre fünf Kinder beharren auf ihrem Mitspracherecht. Im Herbst wird die Entscheidung erwartet, ob das Verwaltungsgericht Schleswig eine weitere Prozessrunde zulässt.

Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht die weithin unbekannte Jakobus-Stiftung. In ihr sind 19,5 Prozent der Gesellschaftsanteile von Aldi Nord gebündelt, die allein dem Familienzweig von Berthold Albrecht ­gehören. Ein schleswig-holstei­nisches Gericht hatte Anfang des Jahres eine Satzungsänderung aus dem Jahr 2010 gekippt, die Theo Albrecht jr. mehr Einfluss auf die Besetzung des Stiftungsvorstands eingeräumt hatte. Nach dem Sommer wollen die Richter nun offenbar bekannt ­geben, ob sie eine Berufung Theo Albrechts jr. gegen das Urteil zulassen. Die strittige Satzungsänderung hatte Berthold Albrecht unterschrieben, als er bereits von seiner Krankheit gezeichnet war.

Derweil geht der heftige Familienzwist weiter. Die Seite von ­Babette wehrt sich gegen die heftigen Angriffe, die der ansonsten absolut zurückgezogen lebende Theo Albrecht jr. vergangene ­Woche im Magazin „Stern“ gegen sie und ihre Familie verbreitet ­hatte. Dabei warf der 65-Jährige seiner Schwägerin Babette und deren Kindern „Selbstbedienung am Vermögen“ der Stiftung vor. Zuvor soll er Babette Albrecht in einem Brief als „Belastung für unser Unternehmen“ bezeichnet und ihrer Seite einen Ausstieg aus dem Konzern nahegelegt haben.

„Der Vorwurf der Selbstbedienung ist unverschämt. Damit soll ausschließlich an Neidgefühle appelliert werden“, sagte ein Vertrauter von Babette Albrecht unserer Zeitung. Ausschließlicher Zweck der Jakobus-Stiftung sei es, Geld an die Begünstigten auszuschütten. In den für drei Jahre aus­gezahlten rund 75 Millionen Euro für Babette Albrecht und ihre fünf Kinder seien auch die Aufwendungen für die Erbschaftsteuer enthalten. Berthold Albrecht hatte seiner Witwe und den Kindern auch ein Privat­ver­mögen, Oldtimer und Kunst hinterlassen.