Machtkampf auf Zollverein ist entschieden - und jetzt?

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Nach dem Rückzug von Dietrich Goldmann als Chef des Stiftungsrates stellt sich umso mehr die Frage, wie das große Potenzial des Welterbe-Standorts künftig mehr zum Tragen kommt.

Essen..  Es gibt eine Handvoll touristischer Standorte in Essen, die in der ersten Liga spielen. Villa Hügel ist da zu nennen, das Museum Folkwang, der Dom, vielleicht der Baldeneysee und die Altstadt von Kettwig – und ganz sicher das Welterbe Zollverein. Das riesige Denkmalgelände mit dem architektonisch genialen Schacht-12-Ensemble als Kern ist etwas wirklich Einmaliges und hat in der Welt nicht seinesgleichen. Umso bedauerlicher sind die personellen Querelen rund um die Stiftung Zollverein, die das Bild beherrschen und lähmend wirken. Der Rückzug von Ex-Allbau-Chef Dietrich Goldmann als Vorsitzender des Stiftungsrates ist der vorerst letzte Beleg für grundlegende Probleme.

Was ist da eigentlich los? Nun, Baudenkmäler sind nie einfach, weil es mit der Pflege des Bestehenden allein selten getan ist. Eine ganze Denkmal-Landschaft wie Zollverein zu bespielen und mit Leben zu füllen, ist eine Herkulesaufgabe, an der schon einige gescheitert sind. Von kulturbeflissenen Schöngeistern mit großer Ausgabefreude über bauorientierte Projektentwickler bis hin zu biederen Stadtteil-Integratoren hat Zollverein schon so manchen kommen und wieder gehen sehen.

Und auch derzeit scheiden sich die Geister an der Frage, ob Zollverein nun eher ein Kulturstandort ist oder mehr der Stadtentwicklung dienen soll. Goldmann, der gern robust wie ein Aufsichtsratschef auftrat, versuchte die Kulturmanagerin Milena Karabaic an die Stiftungsspitze zu schieben. Damit scheiterte er, obwohl auch der letztlich entscheidende NRW-Städtebauminister Michael Groschek diese Lösung eine Weile charmant fand.

Die Oberhand behielt aber die mächtige RAG-Fraktion mit dem ebenfalls robust auftretenden Ex-Evonik-Chef und RAG-Stiftungsvorstand Werner Müller sowie Essens Planungsdezernenten Hans-Jürgen Best an der Spitze. Sie hielt Zollverein-Chef Hermann Marth im Amt. Die Gefahr, dass Zollverein wieder zu stark zur Kultur-Spielwiese wird, war zu groß.

Der Machtkampf ist mit Goldmanns Rückzug entschieden. Ob im teilweise überfordert wirkenden Stiftungsvorstand nun alles beim Alten belassen werden sollte, ist eine andere Frage. Karabaic kam auch deshalb ins Gespräch, weil die Gesamtsteuerung gerade im Kulturbereich Defizite zeigt.

Wie wichtig das richtige Personal ist, ist gleich nebenan zu besichtigen: Das Ruhrmuseum unter Leitung erst von Ulrich Borsdorf, jetzt von Theo Grütter hat sich zu einem der großen Aktivposten auf Zollverein entwickelt. Hier stimmt, was in der Stiftung und auf dem Gelände generell nicht so gut funktioniert: Alle ziehen an einem Strang, es gibt klare Ziele und ein virtuoses Verständnis für die Chancen, die der Standort bietet. Und es wird hart an jedem Detail gearbeitet. Zur Nachahmung empfohlen.

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