Linken-Chef auf der Seite von ThyssenKrupp

Frank Stenglein
ThyssenKrupp will das Gelände „Grüne Harfe“ in Heidhausen bebauen. Foto: Klaus Micke
ThyssenKrupp will das Gelände „Grüne Harfe“ in Heidhausen bebauen. Foto: Klaus Micke
Foto: WAZ FotoPool

Essen. Hans-Peter Leymann-Kurtz, Fraktionschef der Linken im Rat der Stadt, stellt sich bei der Bebauung der Fläche „Grüne Harfe“ auf die Seite von Thyssen Krupp. Das ist überraschend - war es bis vor kurzem noch Absicher der Linken, den Bau zu stoppen.

„Wir müssen nicht reflexhaft bei denen sein, die protestieren.“ Der das sagt, ist Hans-Peter Leymann-Kurtz, Fraktionschef der Linken im Rat der Stadt, und das Thema, um das es geht, ist die Bebauung der „Grünen Harfe“ in Heidhausen. Die Ackerfläche, die unter dem besonderen Schutz der Essener SPD, der Bürgerpartei EBB und Teilen der Grünen steht, ist Anlass für Zwist zwischen ThyssenKrupp und der Stadt. Der Konzern will hier auf eigenem Gelände Wohnhäuser bauen und weiß neben dem Regionalen Flächennutzungsplan auch die städtische Fachverwaltung, OB Reinhard Paß sowie CDU und FDP an seiner Seite - und vielleicht bald die Linken.

Das ist durchaus überraschend, zumal es bis vor kurzem noch erklärte Absicht der Linken war, den Bau zu stoppen. „Ich habe mir noch einmal angeschaut, was dafür und was dagegen spricht, und bin zu der Überzeugung gelangt, dass man hier doch Häuser bauen kann“, so Leymann-Kurtz gestern auf WAZ-Anfrage. Bei allem Verständnis für den Wunsch der Anwohner, ein freies Feld vor der Tür zu haben - dies könne für die Linke einfach nicht das Hauptargument sein. „Wir leben nun mal in einer Großstadt, und da muss es auch eine gewisse Veränderungsdynamik und Entwicklung geben dürfen.“

Der Linken-Chef ist sicher, dass in der fünfköpfigen Ratsfraktion ein bis zwei weitere Mitglieder seine Meinung teilen. Zwei allerdings, nämlich Gabriele Giesecke und Wolfgang Freye, kündigten schon an, aus Gründen des Landschaftsschutzes bei der alten Beschlusslage zu bleiben. Am Montag will die seit langem zerstrittene Fraktion versuchen, auf einen Nenner zu kommen. Wegen der beim Thema Grüne Harfe knappen Stimmenverhältnisse könnten die Linken bei einem möglichen Ratsvotum zum Zünglein an der Waage werden.