Linke erklagen Zukunfts-Demo auf Kettwiger Straße

Rund 1800 Jugendliche, Kinder und Erwachsene aus rund 20 Nationen sind bei der Zukunfts-Demo über die Kettwiger Straße marschiert
Rund 1800 Jugendliche, Kinder und Erwachsene aus rund 20 Nationen sind bei der Zukunfts-Demo über die Kettwiger Straße marschiert
Foto: WAZ FotoPool

Essen.. Außer zur Maikundgebung gab es in den vergangen Jahren keine Aufzüge über die Einkaufsmeile Kettwiger Straße. Zur ersten Essener Zukunftsdemo erstritten die Linke eine Ausnahme vorm Verwaltungsgericht: Rund 1800 Teilnehmer kamen.

Bis vors Verwaltungsgericht sind sie gezogen, damit sie am Samstag demonstrieren durften: Zur ersten Essener Zukunftsdemonstration, der Auftaktveranstaltung des zweijährig stattfindenden Internationalen Pfingstjugendtreffen in Gelsenkirchen, sind nach Angaben der Polizei rund 1800 Jugendliche, Kinder und Erwachsene aus rund 20 Nationen über die Kettwiger Straße marschiert.

Auf Initiative des Wahlbündnisses „Essen steht auf“ ist damit erstmals seit zehn Jahren eine der meist belebten Straßen der Stadt Schauplatz eines solchen Umzugs geworden. Die Polizei hatte die Route ändern wollen, weil sie den Ablauf des Wochenend-Markts gestört sah. Das Verwaltungsgericht aber gab den Veranstaltern der Kundgebung weitgehend Recht.

"Einmal das ganze Paket Zukunftschancen bitte"

Vom Willy-Brandt-Platz trugen die Demonstranten ihre Plakate über die Kettwiger Straße zum Rathaus und zurück. Mit Chören und auf Spruchbänden wagten sie den globalen Rundumschlag: Gegen die Schließung Essener Bäder schlug Gert Bierikoven aus Borbeck die Trommeln, für die garantierte Übernahme von Auszubildenden stimmten Mitglieder der IG-Metall Duisburg an. Der Deutsch-Kurdische Solidaritätsverein wollte PPK-Gründer Abdullah Öcalan in Freiheit sehen, Atomgegner wie Julian Vollmerhaus aus dem Sauerland forderten ein Aus der Kernenergie. Dazwischen die Stimmen internationaler Gäste wie Silvia Almeda aus Portugal. „Die Jugendarbeitslosigkeit in meinem Land ist hoch. Wir müssen etwas unternehmen.“ - „Solidarität“ riefen die Jüngsten im Chor. Was das heißt? „Ich glaube, etwas Gutes“, sagte ein blondes Mädchen von vielleicht sieben Jahren.

„Einmal das ganze Paket Zukunftschancen bitte“, fasste Nikki Hadert (24) aus Lüdenscheid den friedlichen Protest zusammen; Markthändler und Gewerbetreibenden zuckten darüber mit den Schultern. „Sollen sie demonstrieren, gut fürs Geschäft ist das nicht“, sagte ein Verkäufer von Haushaltswaren.

Die Einkaufenden waren von dem Trubel eher überrascht: Die 16-jährige Melissa Wehefritz ist mit ihrer Mutter aus Velbert zum Shoppen nach Essen gekommen. Den Umzug von Gleichaltrigen, ihr Ruf nach sauberer Umwelt und besseren Ausbildungschancen unterstütze sie. „Ich mache gerade die zehnte Klasse, will eine Ausbildung zur Industriekauffrau machen.“ Eine Lehrstelle habe sie aber nicht gefunden, deshalb mache sie nun noch ihr Abitur.

 
 

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