Limbecker und Berliner Platz als Schwerpunkt der Essener Drogenszene

Ausgerechnet unter dem Einkaufszentrum Limbecker Platz ist eine neue Drogenszene entstanden.
Ausgerechnet unter dem Einkaufszentrum Limbecker Platz ist eine neue Drogenszene entstanden.
Foto: Sebastian Konopka/WAZ FotoPool
Am Einkaufszentrum Limbecker Platz in der Essener Innenstadt hat sich ein neuer Schwerpunkt der Essener Drogenszene gebildet. Drogenfahnder haben nach "Schwerpunktmaßnahmen" schon etliche Haftbefehle erwirkt und vollstreckt. Doch nun verlagert sich das Problem ein paar hundert Meter weiter.

Essen.. Ausgerechnet unter dem Einkaufszentrum Limbecker Platz ist eine neue Drogenszene entstanden. Eine Gruppe von 15 bis 20 Schwarzafrikanern aus Guinea versorgt dort Süchtige mit Heroin und Kokain in Portionspackungen. Die Drogenfahnder sind seit Monaten hinter der Bande her und haben bereits 18 Haftbefehle erwirkt und vollstreckt. Aber am Berliner Platz kämpfen sie mit stumpfen Waffen.

Nach den Bürgerprotesten über den offenen Drogenhandel an der Kreuzung Altendorfer/Helenenstraße, dessen Hauptstützpunkt ein Backshop war, haben die Drogenfahnder Ende letzten Jahres mit Unterstützung von Einsatztrupps und Einsatzhundertschaft „Schwerpunktmaßnahmen gefahren, dass es nur so gekracht hat“, erinnert sich Kripochef Heinz Jüschke.

Inzwischen hat die Polizei die Lage dort wieder im Griff. Aber Jüschke weiß: „Es wachsen immer wieder Leute nach.“ Dafür ist das illegale Geschäft einfach zu lukrativ. Und das ist jetzt passiert nur wenige hundert Meter und drei Straßenbahnhaltestellen weiter.

Meist in Gruppen unterwegs

Die Gruppe von Schwarzafrikanern, die sich dort festgesetzt hat, hat nach den bisherigen Erfahrungen der Fahnder „kaum Verbindungen zu der anderen Gruppe in Altendorf.“ Die jungen Männer im Alter von 16 bis 25 Jahren sind fast immer in Gruppen unterwegs. Ein Team spricht Kunden an, ein zweites sorgt für Nachschub. Ein drittes und viertes wacht darüber, dass kein Ärger droht von Polizei oder dem Sicherheitspersonal der Evag. „Wenn am Cinemaxx ein Streifenwagen vorbei fährt, bekommen die eine Nachricht aufs Handy und springen in die nächste Bahn“, berichtet ein Drogenfahnder.

Am Anfang beschränkte sich die Anbahnung der Drogengeschäfte auf die Straßenbahnebene ganz unten im Tunnel. „Inzwischen dealen die auf allen Ebenen“, sagt ein Drogenfahnder. Sein Kollege ergänzt: „Wir sind denen auch schon quer durchs Einkaufszentrum nachgelaufen.“

Verdächtige leisten massiven Widerstand

Wenn es den Fahndern doch mal gelingt, einen Trupp zu überrumpeln, läuft immer das gleiche Spiel ab. Die Dealer haben die Portionspackungen Heroin und Kokain mit Wirkstoffgehalten um die 0,1 Gramm im Mund. „Erst versuchen sie zu flüchten“, berichtet ein Fahnder. „Dann leisten sie massiven Widerstand, bis die Portionen verschluckt und im Magen sind. Dann werden sie plötzlich friedlich.“ Also sind die Täter zwar gestellt, die Beweismittel aber verschwunden. „Unser Problem ist die Beweislage“, sagen die Drogenfahnder vom Rauschgiftkommissariat, die seit dem Jahreswechsel beim KK 12 angesiedelt sind.

Die Kameraüberwachung in den Bahnhöfen und U-Bahnen, die den Kollegen schon bei mehreren Öffentlichkeitsfahndungen geholfen hat, ist den Drogenfahndern noch keine große Hilfe. Sie haben die Erfahrung gemacht: „Die Kameras liefern bisher keine vor Gericht verwertbaren Bilder.“ Entweder ist die Qualität zu schlecht, um die Täter einwandfrei zu identifizieren. Oder die Übergabe läuft halb verdeckt in der Straßenbahn zwischen Berliner Platz und Cronenberg ab.

„Auf den Bildern sieht man dann im besten Fall, wie einer dem anderen etwas zusteckt“, so die Erfahrung der Drogenfahnder. „Jeder Rechtsanwalt wird es vor Gericht bei solchen Bildern erst mal versuchen mit der Behauptung: „Die haben doch nur Geld gewechselt.“

Viele der Dealer fallen unters Jugendstrafrecht

Ein weiteres Problem der Fahnder ist juristischer Natur. Für einen Dealer, den sie mit zwei Kilo Koks auf frischer Tat erwischen, stellt der Richter schnell einen Haftbefehl aus. Bei Straßendealern und Gramm-Mengen wird das schon schwieriger, zumal viele der jungen Dealer noch unter das Jugendstrafrecht fallen. Gleich mehrere Drogenverkäufe müssen die Fahnder nachweisen können, bevor sie einen Haftbefehl bekommen.

18 solcher Haftbefehle haben sie dennoch schon vollstreckt. Und so langsam merken sie, dass der Bande das Personal knapp wird: Immer weniger Zeit vergeht zwischen der Einreise der neu rekrutierten Männer aus Guinea und deren erster Festnahme beim Drogendeal unter dem Berliner Platz.

 
 

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