Limbecker Platz experimentiert mit neuen Einkaufsformen

Janet Lindgens
Center-Manager Oliver Kraft.
Center-Manager Oliver Kraft.
Foto: Herbert Höltgen
Das Einkaufszentrum Limbecker Platz in Essen testet, wie Online-Handel und traditionelle Läden zusammenwachsen könnten. Dafür wurde die Center-App weiterentwickelt, mit der man jetzt Zuhause einkaufen kann und die Warespäter im Center abholt. Auch ein neuer Lieferservice ist gestartet.

Essen. Das Gastspiel von Gloria im Einkaufszentrum Limbecker Platz war kurz. Die Blondine im weißen Business-Kostüm plauderte mit den Kunden über die Angebote im Center oder auch einfach nur über das Wetter. Doch die virtuelle Kunstfigur Gloria, ein so genannter Avatar, war den Essenern dann wohl doch zu futuristisch. Der Betreiber des Shoppingcenters, die Hamburger ECE, baute das Terminal mit Gloria auf dem Schirm wieder ab – in der realen Welt wäre das eine klassische Kündigung.

Während der vor anderthalb Jahren gestartete Versuch mit Gloria floppte, entwickeln sich andere Experimente im Center wohl so vielversprechend, dass die ECE diese interaktiven Angebote für die Kunden ausbaut. Das Ganze läuft unter der Arbeits-Überschrift „Zukunftslabor“ und man will herausfinden, wie der Online-Handel mit dem klassischen Einzelhandel zusammenwachsen könnte.

Center-App mit 12.000 Downloads

Im Fokus steht dabei die Center-App. Mit der App, einem Programm fürs Smartphone, werden Kunden des Limbecker Platzes schon länger über besondere Angebote der Läden im Center informiert. Bislang wurde die App rund 12 000 Mal heruntergeladen.

Seit kurzem können Nutzer mit der App auch direkt einkaufen und die Waren anschließend im Center abholen. „Click and Collect“ nennt die ECE den neuen Service. Die Vorteile des Online-Kaufs sollen verschmelzen mit den Vorteilen eines Kaufs im Laden: Zunächst können Kunden die Waren jederzeit und in Ruhe auf dem Sofa aussuchen und kaufen. Anschließend dürfen sie sie im Laden an- bzw ausprobieren, sich beraten lassen und auch wieder umtauschen. „Die direkte Verfügbarkeit von Waren ist ein großer Pluspunkt des klassischen Einzelhandels“, sagt Center-Manager Oliver Kraft. Diese Karte wolle man stärker spielen.

Allerdings steht das Shopping-Center damit noch ganz am Anfang: Nur zwölf der rund 200 Läden im Limbecker Platz nehmen bislang an dem Versuch teil. Gestern beispielsweise wurden im App-Shop gerade einmal 198 Produkte zum Kauf angeboten, wobei ein und dieselbe Jacke in drei verschieden Farben schon drei Produkte darstellen.

Automatisches Zahlen beim Parken

Eine weitere Neuerung des Limbecker Platzes: Wer seinen Einkauf nicht selbst nach Hause tragen möchte, kann sich seine Tüten am selben Tag liefern lassen. Auch für diesen neuen Service hat sich die ECE einen englischen Begriff einfallen lassen: „Same Day Delivery“. Die Dienstleistung kostet extra, soll aber das Einkaufen bequemer machen. „Etwa die Hälfte unserer Kunden reist mit Bus und Bahn an“, so Kraft. Der Limbecker Platz ist in der ECE-Familie einer der Vorreiter für den Lieferservice. Er wird derzeit nur noch in Frankfurt und Stuttgart angeboten.

Schon lange angekündigt, nun soll sie bis Ende des Jahres kommen: Das Center wird seinen Kunden eine Parkkarte anbieten, mit der sie automatisch bei Ausfahren bezahlen können. Möglich macht dies die RFID-Funktechnologie. Beim Verlassen des Parkhauses liest die Schranke den Chip in der Karte mit den entsprechenden Daten im Vorbeifahren. „Das Anstehen an den Bezahlautomaten kann man sich dann sparen“, so Kraft .