Essen

Libanesen-Fehde - Der Todesschütze sagt: „Ich bin kein normaler Mensch“

Felix Laurenz
Mahmoud M. (gepixelt) schilderte vor Gericht zum ersten Mal, warum er Mohammed E. am 9. April erschoss.
Mahmoud M. (gepixelt) schilderte vor Gericht zum ersten Mal, warum er Mohammed E. am 9. April erschoss.
Foto: Matthias Graben/Funke Foto Services
  • Mahmoud M. erschoss am 9. April mit mehreren Schüssen Mohammed E.
  • Angeblich gab es Streit innerhalb einer libanesischen Familie
  • Jetzt steht Mahmoud M. steht vor Gericht
  • Seine Tat schildert er als eine Mischung aus Versehen und Alkohol

Essen. Den 9. April 2016 wird Essen so schnell nicht vergessen. An diesem Tag streckte Mahmoud M. (47) mit sechs Schüssen den erst 21 Jahre alten Mohammed E. nieder - mitten auf der Friedrich-Ebert-Straße in der Innenstadt. Seine Aktion löste ein Erdbeben innerhalb der deutsch-libanesischen Community in Essen aus.

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Wenige Wochen nach dem Angriff starb Mohammed E. im Krankenhaus. Angeblich hatte Mahmoud M. damit gnadenlose Blutrache geübt.

Messer-Angriff soll Grund für tödlichen Anschlag sein

Denn wenige Stunden vor dem tödlichen Anschlag hatte ein Verwandter des erschossenen Mohammed E. den Bruder vom Mahmoud M. in der Essener Innenstadt niedergestochen.

Nun steht Mahmoud M. für seine tödlichen Schüsse vor Gericht. Am Freitag äußerte er sich erstmals zu seiner Tat.

Anschlag nur ein Versehen?

Laut M. war der tödliche Anschlag auf Mohammed E. nicht mehr als ein unglückliches Versehen: „Ich mochte den jungen Mann.“ Mit seinem Bruder Mohammad und seinem Neffen Khalid habe er Mohammed E. am Restaurant „Arabesk“ auf der Friedrich-Ebert-Straße nur zufällig getroffen.

„Ich wollte dort eigentlich nur Essen und Obstcocktails für meine Kinder abholen“, sagte Mahmoud M.

„Dann hatte ich auf einmal geschossen“

Aber warum hatte er einen Revolver dabei? Mahmoud M. erklärt das so: Er habe Angst vor der Familie seines Opfers: „Die sind kriminell und mächtig.“

Vor dem „Arabesk“ habe sein Bruder ihn dann gedrängt, zu schießen. „Ohne ihn wäre an diesem Abend nichts passiert“, sagte Mahmoud M.: „Er sagte immer wieder: Mach es, mach es!“ Ihm sei plötzlich schwarz vor Augen geworden: „Dann bemerkte ich auf einmal, dass ich geschossen hatte.“

Mahmoud M.s Aussagen überzeugen nicht

Schuld an seiner Tat sei auch ein Mix aus Medikamenten und Alkohol gewesen. Mahmoud M. nimmt seit Jahren viele Medikamente: „Ich bin krank. Ich bin kein normaler Mensch.“ Wirklich überzeugend war Mahmoud M.s Aussage aber nicht.

„Bei einer Blutuntersuchung am Abend der Tat ist kein Alkohol entdeckt worden“, sagt Stephan Bester. Er vertritt die Eltern des getöteten Mohammed E. Auf die Fragen der Nebenklage wollte Mahmoud M. dann vor Gericht auch nicht antworten.

Mutter des getöteten Mohammed E. bricht in Tränen aus

Noch weniger kooperativ waren die beiden Mitangeklagten. Mohammad M. (36) und Khalid M. (21). Sie hatten Mahmoud M. in der Tatnacht begleitet. Beide wollten vorerst keine Aussage zur Tatnacht machen.

Extrem belastend ist der Prozess für die Familie des getöteten Mohammed E. Seine Mutter trug während des Prozesses ein Medaillon mit dem Bild ihres getöteten Sohnes. Mehrfach brach sie während der Aussage vom Mahmoud M. in Tränen aus.

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