Leithe ist uraltes Agrarland und ein echter Stadtteil von Essen

Der Schaepers Hof von Christoph Ridder liegt mitten im grünen Leithe. Links erstreckt sich das Gewerbegebiet auf der ehemaligen Zeche Centrum 4/6.
Der Schaepers Hof von Christoph Ridder liegt mitten im grünen Leithe. Links erstreckt sich das Gewerbegebiet auf der ehemaligen Zeche Centrum 4/6.
Foto: Michael Gohl / FUNKE Foto Services
Leithe ist ein Stück uraltes Agrarland an der Essener Stadtgrenze. Hier haben alte Bauerngeschlechter Einfluss. Folge 9 der Stadtteil-Serie "60 Minuten in...".

Essen.. Leithe? Was ist denn das? Mit Sicherheit würde man diese Gegenfragen von vielen Essenern gestellt bekommen, fragte man sie nach dem Stadtteil an der Bochumer Stadtgrenze. Ein Teil von Kray? So würde mancher vielleicht noch fragen. Leithe ist aber ein „echter“ Stadtteil und dabei landschaftlich sehr schön. Fast lückenlos kann man von Nord nach Süd im Grünen wandern. Ein Stück uraltes, ziemlich stilles Agrarland am Rande von Essen.

Bauer Christoph Ridder kann davon sehr genau berichten, denn er ist hier groß geworden. Bei seiner Einschulung musste er sich erstmal an die vielen Kinder gewöhnen. Spricht man mit ihm über die Entwicklung Leithes, dann kommt schnell die Rede auf die fünf alten Höfe. „Man muss wissen, wo man herkommt“, sagt der Mann, der seinen Familiennamen bis ins Jahr 1332 zurückverfolgen kann. Da gehörte die Familie Ridder noch der Ridderhof in Kray, der an der Brückenplatte stand, wo heute die Sparkasse ihr Domizil hat - die Ridderhofstraße erinnert daran.

Marmelade, Kuchen, Brot und Eier aus dem Hofladen

„Entlang des heute zum Teil unterirdisch fließenden Leither Baches sind der Schaepers Hof, Köllmannshof, Kohlleppel, Reickshof und der Rommberghof wohl wegen der Trinkwasserversorgung entstanden“, berichtet Ridder. Die beiden Erstgenannten sind heute in seinem Eigentum. Der Leither Bach fließt mitten unter dem Garten hindurch, in dem er als Kind gespielt hat.

Sein Stammsitz ist der Schaepershof mit seinem gut besuchten Hofladen. Hier gibt es von Marmelade über Kuchen, Brot und Eiern bis zum selbst angerührten Eierlikör alles, was die Natur in Leithe hergibt oder was sich daraus herstellen lässt. Ridders Hof ist einer von nur noch 45 Vollerwerbs-Höfen in Essen, der Landwirt bewirtschaftet rund 100 Hektar Anbaufläche mit Raps, Weizen, Mais, Erdbeeren und vielem mehr. Rund 90 Prozent sind allerdings gepachtet.

Viel Grün in Leithe ist Ackerland

„Man zittert immer, wenn die IHK Druck macht und die Verwaltung neue Wohn- oder Gewerbegebiete ausweisen will“, berichtet er von der bedrohten Idylle. Denn viel Grün in Leithe ist Ackerland. Wandert man vom Krayer Volksgarten, der in Leithe liegt, vorbei am Schaepershof in Richtung Leither Wassertürme, betritt man auf dem Weg zum Isingpark und den Kleingärten am Nottebaumskamp höchstwahrscheinlich auch den Grund von Christoph Ridder. An den Wassertürmen ist der höchste Punkt zwischen Ruhr und Emscher erreicht. „Das ist doch herrlich hier“, schwärmt er. Die Kühltürme vom Kraftwerk Gelsenkirchen-Scholven, das Dach der Schalker Arena, der Tetraeder in Bottrop, natürlich die Essener Skyline mit RWE- und Evonik-Türmen: Viel bessere Aussichtspunkte gibt es nicht im Revier.

„Wenn mein Vater nicht hart geblieben wäre, würde sich hier die Siedlung Isinger Feld II erstrecken“, berichtet Ridder von den Bausünden der 1960er Jahre, während er zum „anderen“ Leithe weiterfährt. Das Isinger Feld als Teil der Essener Oststadt mit ehemals über 5000 Einwohnern ist vom Bevölkerungsschwund betroffen. Die katholische Gemeinde ist weg, der Kindergarten geschlossen, hier hat sich nun die koreanische Gemeinde niedergelassen. Die großen Vermieter Allbau, Gewobau und Private hübschen gerade das Viertel auf.

Für das Leither „Gewächs“ Christoph Ridder hat sich hier ein Kreis geschlossen. Etwas unterhalb der dominanten Hochhäuser hat er rund einen Kilometer von seinem Hof entfernt, den alten Isinghof gekauft und vermietet. „Mittlerweile sind ja einige Politiker wieder offen für regionalen landwirtschaftlichen Anbau.“ Den Grünzug will er auf jeden Fall erhalten: „Ich fühle mich gar nicht so als Eigentümer, sondern eher als Verwalter, der das Ganze nach 35 Jahren weitergibt“, berichtet der 56-Jährige, der den väterlichen Hof 1989 übernahm. Und zum Ganzen gehört eben – zum Glück für die Leither – viel Agrarland. Mit Sohn Christian (25) steht schon die 18. Generation bereit.

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