Leicht wie eine Feder

WG: Bild Oblivia 4, Museum of postmodern art, Foto Chris GoebelMuseum of postmodern art . Foto Chris Goebel (See attached file: OBLIVIA 4_fuerWAZ(c)ChrisGoebel.jpg)
WG: Bild Oblivia 4, Museum of postmodern art, Foto Chris GoebelMuseum of postmodern art . Foto Chris Goebel (See attached file: OBLIVIA 4_fuerWAZ(c)ChrisGoebel.jpg)

Wenn eines mit ihrer künstlerischen Geschichte eng verbunden ist, dann Pact Zollverein. Die Performance-Gruppe Oblivia arbeitet seit vier Jahren immer wieder in dem künstlerischen Zentrum in Katernberg, entwickelt Stücke, probt sie, führt sie auf. Zum neunten Mal sind die Akteure Annika Tudeer, Timo Fredriksson und Anna Krzystek in Essen und gehören damit zur Pact-Familie wie Meg Stuart, Forced Entertainment oder Laurent Chétouane. Jetzt haben die beiden Finnen und ihre schottische Mitspielerin mehr als eine Uraufführung im Gepäck. „Museum of Postmodern Art“ ist der Beginn eines fünfteiligen Projekts.

„Es ist wie nach Hause kommen“, sagt Annika Tudeer. Sie schwärmt von Pact, weil sie dort nicht nur finanzielle Unterstützung erhalten haben, sondern auch optimale Bühnenbedingungen und die Freiheit, sich ganz ihrer Kunst widmen zu können. Ihre zuletzt gezeigte Trilogie „Entertainment Island“ habe ein internationales Interesse gefunden, weil Pact so einen guten Ruf habe, erzählt sie. „Das ist eine große Unterstützung.“ Bei ihrem neuen Stück ist Pact einer der Koproduzenten.

Nachdem sie das weite Feld der Unterhaltung auf ihre klare, minimalistische, humorvolle Art beschritten haben, öffnen sie nun Räume für die Postmoderne - die künstlerische und gesellschaftliche Periode nach der Moderne, die unter anderem radikale Pluralität anstrebt. „Denn wir sind damit groß geworden“, so Timo Fredriksson. Erst später hätten sie registriert, dass sie eigentlich schon vorbei sei. Und damit gehöre sie ganz klar ins Museum, das sie „MoPMA“ nennen.

Die Postmoderne ist der Ausgangspunkt für einen philosophisch untermauerten Weg in die Zukunft und in die Vergangenheit, der von Fragen wie „Worum geht es eigentlich?“oder „Was heißt es, ein Künstler zu sein?“ begleitet wird. Grundlegende Themen wie Angst, Scham und Schuld spielen ebenso eine Rolle wie Ideen und Personen. Der Kosmonaut Juri Gagarin, der als erster Mensch im Weltraum für das Neue steht, taucht dabei auf, und der Neandertaler, der unseren Ursprung verkörpert.

Zurück zu den Wurzeln der Menschheit bedeutet aber auch Auseinandersetzung, ja sogar Kampf mit der eigenen Kunst. „Früher haben wir mit Performance einen Trend kreiert. Jetzt sind wir Teil des Trends und fragen uns, wie es weitergeht“, erklärt Annika Tudeer. Das hört sich ernst an, soll jedoch „leicht wie eine Feder“ auf die Bühne kommen. Mit Nebel, Sound, Licht, Körpereinsatz, viel Sprache und dem Humor, für den Oblivia schon bekannt ist, errichtet sie einen Kosmos, der durchaus Wiedererkennungswert hat.

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