Lebenswerk sucht neue Bleibe

„Hallo. Auf Wiedersehen“. Als Doris Schöttler-Boll das Werk 1986 auf die Einladungskarte setzte, da war das Bild noch ein Spiel der Möglichkeiten, ein Gehen oder Bleiben. 30 Jahre später ist „Hallo. Auf Wiedersehen“ eine Einladung zum Abschiednehmen. Knapp vier Monate nach dem Tod der Essener Künstlerin, Denkerin, Netzwerkerin und langjährigen Betreiberin des Atelierhaus Alte Schule hat das Forum Kunst & Architektur den Ausstellungsplan spontan geändert und Doris Schöttler-Boll zu Ehren das Haus frei gemacht. Es ist ein teils sehr persönliches Erinnern, eine künstlerische Würdigung, aber auch ein Hinterfragen, was mit dem Werk der 1945 in Bayern geborenen, im Januar mit gerade 70 Jahren gestorbenen Künstlerin nun werden soll. Einige der wichtigen Unterlagen seien bereits gesichtet und ins Stadtarchiv übergegangen, erzählt Doro Hülder, die die Erinnerungs-Schau gemeinsam mit vielen Freunden und Wegbegleitern organisiert hat. Zwei großformatige Collagen wird vielleicht das Kunstmuseum Bochum übernehmen. Doch viele Werke, mit denen Schöttler-Boll vor allem in den 1980er Jahren in den Kunstmuseen von Bonn bis Bochum, Neuss und Gelsenkirchen vertreten war, hat man lange Jahre nicht gesehen und wird sie vermutlich auch kaum mehr zu Gesicht bekommen. Denn das städtische Atelierhaus Alte Schule, wo Schöttler-Boll zuletzt weniger künstlerisch als vermittelnd tätig war, ist vor kurzem geräumt worden. Das Haus, das sie zu einem Ort des Austauschs und der Begegnung gemacht und mehrfach vor dem Abriss bewahrt hat, dürfte auf Sicht Wohnbebauung weichen. Bis dahin hofft man, die Alte Schule zumindest noch sporadisch für Aktionen wie die „Kunstspur“ nutzen zu können.

Für Schöttler-Boll war es seit Ende der 90er vor allem eine Bühne für das kleine, feine, von ihr kuratierte Vortrags- und Exkursionsprogramm „Personen – Projekte – Perspektiven“, das den kunstästhetischen Diskurs in alle Bereiche des Lebens trug – von Dichtkunst über Film bis zur Philosophie.

So sehr Schöttler-Boll dabei an die soziale Plastik glaubte, so gern hätte man doch auch gewusst, wie sich die feministische, immer politische grundierte Kunst der Folkwang-Studentin, Beuys-Schülerin und Derrida-Bewunderin über die Jahre entwickelt hätte. Mit ihrem speziellen dekonstruktiven Verfahren der Fotografischen Collage war sie dabei nicht nur technisch ihrer Zeit voraus. Doris Schöttler-Boll gehörte auch zu den Künstlern, die die falschen Verheißungen und verborgenen Widersprüche der Bilderwelten schon aufgriffen, als es die Möglichkeiten der digitalen Bearbeitung noch gar nicht gab. Sie nahm ganz einfach die Versatzstücke der Hochglanzwerbewelt, um sie gleichzeitig zu sezieren.

In der Ausstellung kann man einige Beispiele wie „Der Platz des Königs ist leer“ sehen, dazu kommt eine ganz persönliche, von Erwin Wiemer zusammengestellte Diaschau, eine Pinnwand als Atelierhaus-Zitat, aber gleichzeitig auch Aufzählung von Lebensstationen. Gespickt mit Erinnerungen an wichtige Ausstellungs-Ereignisse wie „Unter einem Himmel“ mit eigenen Arbeiten und Werken von Timm Ulrichs im Schloß Borbeck.

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