Lebensschmiede für Benachteiligte

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Borbeck..  „Wir sind eine Kfz-Werkstatt, die unter normalen Bedingungen arbeitet“, erklärt Robert Bosch. Trotzdem läuft der Betrieb in der Alten Schmiede in Borbeck etwas anders: „Bei uns bekommen nur junge Menschen eine Ausbildung, die kein anderer einstellt“, beschreibt der Geschäftsführer das Konzept. Heute feiert die Firma ihr zehnjähriges Bestehen.

„Wenn ich in eine Linkskurve oder über eine holperige Straße fahre, knarzt es links hinten in meinem Wagen. Ist da etwas am Rad locker?“ Mit diesen Fragen steht ein Mann im Eingang auf dem Hof an der Hülsmannstraße 78. Sofort kümmert sich ein Mitarbeiter um ihn. Im Büro telefoniert ein Kollege nach einem Ersatzteil, das angeliefert wird – aber noch im Stau steckt. Autoalltag.

Der Name „Alte Schmiede“ ist Programm: In der Halle schmieden alle ein Stück an ihrem Glück. Die Auszubildenden sind nach ihrer abgeschlossenen Lehre „fit für den ersten Arbeitsmarkt“, betont Robert Bosch. Und die Jugendlichen nehmen die Hilfen ihrer Meister unter der Hebebühne und am Schraubenschlüssel gern an. Beide Seiten profitieren voneinander. „Unsere Stammkunden schätzen das auch“, bedankt sich Robert Bosch für deren Treue.

Dass die Alte Schmiede heute fast im ganzen Stadtgebiet ein Begriff ist, damit rechneten die Gründer der gemeinnützigen Kfz-Werkstatt 2003 nicht. Der Verein „Zug um Zug“, die „Gefährdetenhilfe Borbeck“ und das „Weigle-Haus“ gaben die Anschubfinanzierung mit dem Ziel, Jugendlichen, die keinen Schulabschluss haben oder die psychisch/körperlich beeinträchtigt sind, gezielt zu fördern und eine solide Ausbildung zu geben.

So nutzten im ersten Werkstatt-Jahrzehnt junge Leute ihre Chance, um an Autos und dazu an ihrer stabilen Zukunft zu schmieden – dank intensiver Betreuung und vertrauensvoller Teamarbeit. „Alle haben danach eine Anstellung gefunden. Die bestandene Prüfung brachte einigen sogar den Hauptschulabschluss. Das bedeutet viel“, sagt der Geschäftsführer.

Das Team repariert in der Alten Schmiede Autos aller Fabrikate. „Wir müssen wie andere am Markt bestehen“, betont Robert Bosch. Fänden wir noch einen weiteren Sponsor wie Deichmann oder den Lionsclub, könnten wir noch einen vierten Ausbildungsplatz einrichten.“ Ein neues Schweißgerät würde die Arbeitsmöglichkeiten dieses Teams im modernen Kfz-Gewerbe ebenso erweitern und verbessern.

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