Lebensabend im Haus Lebensquell

Fischlaken..  Seit 25 Jahren betreut Schwester Chiquita Mischke das Haus Lebensquell in Dudestii Noi, Rumänien. Auch wenn die kranken und elternlosen Kinder und Jugendlichen, um die sie sich dort seitdem kümmert, inzwischen volljährig sind, bleibt sie der Einrichtung, die sie 1991 selbst aufgebaut hat, weiter treu. Momentan ist sie wieder zu Besuch in ihrer alten Heimat Fischlaken, doch für die 82-Jährige steht fest: Im Haus Lebensquell will sie ihren Lebensabend verbringen.

Durch die Aktion „Hilfe für Rumänien“ kam die Schwester über ihren damaligen Arbeitgeber, die Caritas, damals nach Temeswar, Rumänien – zunächst als Praxis-Anleiterin von Kinderkrankenschwester-Schülerinnen. „Dort habe ich das Elend mit eigenen Augen gesehen“, sagt sie.

So beschloss Chiquita Mischke, in Rumänien zu bleiben, um dort ein eigenes Hilfsprogramm für Waisen und behinderte Kinder aufzubauen – anfangs noch in ihrer Freizeit. „Als ich zwei Jahre später in Rente gegangen war, beschloss ich, dass dies von nun an meine Lebensaufgabe werden soll.“ Mit ihrer optimistischen Einstellung getreu dem Motto „Gott hilft uns immer wieder“ hat sie sich dieser Aufgabe seitdem mit viel Elan, Einsatz und Erfolg gestellt.

Sie mietete ein altes Pfarrhaus in Dudestii Noi, um es für ihr Vorhaben zu renovieren. Einigen bürokratischen Hürden zum Trotz konnte sie dort bald mit Hilfe einiger Schwesterschülerinnen die ersten Waisen betreuen. „Wer nicht an Wunder glaubt, erlebt auch keines“, lächelt die selbstbewusste Frau, die durchaus bereit ist, für diese Wunder zu kämpfen. So hat sie es ein ums andere Mal geschafft, Geld aufzutreiben, als finanzielle Engpässe beinahe zur Schließung des Hauses geführt hätten. „Wir werden unter anderem von den Rotariern unterstützt“, sagt sie. „Und auch Herr Peter von Bäcker Peter sorgt für uns.“

Und dies ist auch gut so, denn immer wieder kommen finanzielle Herausforderungen auf das Haus zu. „Die rumänische Regierung möchte jetzt, das alles im ,europäischen Style‘ gemacht wird“, erzählt sie lächelnd. Dies bedeute, dass das Dach im kommenden Jahr neu gemacht werden müsse. „Nur woher das Geld dafür kommen soll, das verrät die rumänische Regierung nicht.“

Dass es Chiquita Mischke durchaus gelingen wird, auch dieses Hindernis zu überwinden, davon ist auch Marlies Ileana überzeugt: „Sie versteht es, Leute für sich und ihre Sache zu gewinnen.“ Und sie weiß, wovon sie redet: „Ich habe an der Universität Temeswar Rumänisch als Fremdsprache unterrichtet – da habe ich Chiquita kennengelernt“, erinnert sie sich. Chiquita Mischke ergänzt lächelnd: „Ich musste ja die Sprache lernen – ich konnte damals kein Wort Rumänisch.“

Und so gewann sie nicht nur Sprachkenntnisse, sondern auch eine Freundin und Mitstreiterin: „Marlies unterstützt das Haus organisatorisch und begleitet mich auch auf den Reisen zurück nach Fischlaken.“ Zweimal im Jahr kommt sie zurück nach Hause.

Die Bewohner benötigen Betreuung

Momentan ist sie vor allem glücklich darüber, dass ihre Schützlinge auch bei ihr bleiben können, wenn diese volljährig sind – ursprünglich sollte dies ein rumänisches Familiengesetz verhindern. Jeder erwachsene Bewohner hätte demnach ein eigenes Zimmer gebraucht, was die Räumlichkeiten des Haus Lebensquell jedoch nicht hergeben. Und nicht nur das: „Zwei der fünf Bewohner sind blind. Die beiden brauchen jemanden, der mit ihnen zusammenlebt“, so Mischke. Auch die übrigen Bewohner würden ohne Betreuung nicht zurechtkommen, ist sie überzeugt.

Nicht nur ihre Schützlinge bleiben nun im Haus Lebensquell, auch Chiquita Mischke selbst will dort bis an ihr Lebensende wohnen. „Ich habe in Essen keine Familie mehr – bis auf meine Adoptivtochter, die im Franz-Sales-Haus gut untergebracht ist.“ In Fischlaken gebe es niemandem, der sich einmal um Chiquita Mischkes Grab kümmern würde, sagt sie: „Und schließlich lebt niemand ewig. In ihrem Dorf sei sie Ehrenbürgerin. „Da werden sich alle um mich kümmern.“ Ganz so, wie sie sich um ihre Schützlinge kümmert.

 
 

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