Landschaftsbeirat gegen Bebauung im Hexbachtal und an Lahnebeckestraße

Das Wäldchen im Hexbachtal zwischen der Straße Im Fatloh und Im Wulve soll auf Vorschlag der Stadt einer Bebauung mit Flüchtlingsunterkünften weichen.
Das Wäldchen im Hexbachtal zwischen der Straße Im Fatloh und Im Wulve soll auf Vorschlag der Stadt einer Bebauung mit Flüchtlingsunterkünften weichen.
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  • Der Landschaftsbeirat verweigert die Freigabe aus dem Landschaftsschutz.
  • Das Hexbachtal und Flächen an der Lahnbeckestraße sollen nicht angetastet werden.
  • Würden sie bebaut, beträfe dies 0,05 Prozent der in Essen geschützten Landschaft.

Essen.. Der Landschaftsbeirat der Stadt Essen hat dem Bau von Flüchtlingsunterkünften in den Landschaftsschutzgebieten im Hexbachtal in Bedingrade und an der Lahnebeckestraße in Leithe eine Absage erteilt. Mit breiter Mehrheit verweigerte das Gremium in einer Sondersitzung einer Befreiung aus dem Landschaftsschutz seine Zustimmung.

Ob die in Rede stehenden Flächen tatsächlich bebaut werden, liegt nun in der Entscheidung des Ratsausschusses für Grün und Gruga und letztlich in den Händen des Stadtrates.

Die beiden Landschaftsschutzgebiete sind zwei von den verbliebenen sieben Freiflächen, welche die Verwaltung dem Rat als mögliche Standorte für feste Asylunterkünfte vorgeschlagen hat. Sollten im Hexbachtal und an der Lahnebeckestraße Unterkünfte gebaut werden, würde die Stadt einen Anteil von 0,05 Prozent ihrer unter Landschaftsschutz stehenden Fläche einbüßen; diese Rechnung machte der Vorsitzende der Unteren Landschaftsbehörde, Wolfgang Golles, in der Sondersitzung des Beirates auf. Insgesamt stehen in Essen 7380 Hektar unter Landschaftsschutz.

7380 Hektar im Landschaftsschutz

Im Hexbachtal hat die Verwaltung, wie berichtet, ein Waldstück im Dreieck zwischen den Straßen Im Fatloh und Im Wulve ausgeguckt. Im nördlichen Teil handelt es sich um aufgeschütteten Boden auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei Schacht-Kronprinz, im südlichen Teil um eine Fläche die vor zehn bis 15 Jahren aufgeforstet wurde – als Ausgleich für eine Wohnbebauung an der Lierfeldstraße in Altenessen. Wo genau Unterkünfte zum Stehen kommen könnten, werde noch geprüft. Betroffen wären drei Prozent des Landschaftsschutzgebietes.

An der Lahnbeckestraße in Leithe wären 0,3 Prozent der unter Schutz stehenden Fläche von einer Bebauung betroffen. Konkret geht es um ein Waldstück südlich der Lahnebeckestraße, das vor etwa 20 Jahren als Ausgleich für eine Bebauung in Bergeborbeck entstand.

Beide in Rede stehenden Flächen blieben auch für den Fall, dass der Rat dem Bau von Unterkünften zustimmen sollte, im Landschaftsschutz, betonte Golles. Feste Gebäude würden nur unter der Auflage zugelassen, dass die Fläche wieder renaturiert wird. Allerdings bliebe offen, wann dies der Fall sein könnte. Das jüngst geänderte Baugesetz setzt dafür keine Frist.

Der Eingriff in die Natur wäre allerdings zwingend auszugleichen, was auch für die potenziellen Asylstandorte Am Handwerkpark in Katernberg und dem Marina-Areal an der Nordsternstraße in Altenessen gilt. Allerdings gibt es in Essen laut Golles selbst kaum noch Flächen für eine Aufforstung, der Flächenpool ist nahezu erschöpft.

Für den Landschaftsbeirat offenbar nur ein Grund mehr, gegen eine Befreiung zu votieren. Vertreter der Naturschutzverbände verwiesen auf bedrohte Arten wie die Klappergrasmücke. Cornelia Fitger vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnte vor einem „Einstieg in den Ausstieg“ aus dem Landschaftsschutz. Die Gefahr, dass „stillschweigend Baugebiete erschlossen werden“, sei gegeben.

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