Land NRW bleibt wohl auf Kosten für Essener Problemstollen sitzen

Sie bohren und verfüllen, Pendler klagen über Verspätungen und Zugausfälle. Die Folgen des Bergschadens am Hauptbahnhof sind gravierend.
Sie bohren und verfüllen, Pendler klagen über Verspätungen und Zugausfälle. Die Folgen des Bergschadens am Hauptbahnhof sind gravierend.
Foto: WAZ FotoPool
Der Tagesbruch am Westkopf des Hauptbahnhofs verursacht einen Schaden, der in die Millionen geht. Offenbar ist er die Folge von „wildem Bergbau“. Dann müsste Düsseldorf haften und nicht etwa die Konzerntochter „RWE Service“ als Rechtsnachfolgerin der Zeche Victoria Mathias.

Essen. Seit bald zwei Wochen schon muss die Bahn am Hauptbahnhof kräftig auf die Bremse treten. Eine rasche Beseitigung des tückischen Bergschadens ist nicht in Sicht. Fest steht allerdings, dass der „Problemstollen“ einen Schaden verursacht, der wohl in die Millionen geht: für Bohrungen und Verfüllungen, für Zugausfälle und Verspätungen.

Auch wenn die Prüfung dieser Causa längst noch nicht abgeschlossen ist, zeichnet sich ab, dass das Land NRW auf dem Großteil der Kosten sitzen bleiben dürfte.

Die für den Altbergbau zuständige Bezirksregierung Arnsberg, die auch die aufwendigen Bohrungen und Bauarbeiten am Hauptbahnhofs beaufsichtigt, hält sich in der heiklen Haftungsfrage bedeckt. „Der Fall erfordert eine komplizierte juristische Prüfung“, sagt Behördensprecher Christian Chmel. Eine Prüfung, an der neben Arnsberg und der DB auch „RWE Service“ beteiligt ist.

Schließlich steht die Konzerntochter in der Rechtsnachfolge der traditionsreichen Zeche Victoria Mathias, die in der Mitte der 19. Jahrhunderts das größte Bergwerk im Ruhrgebiet war. Victoria Mathias wiederum ist Rechtsnachfolger der Zeche „Vereinigte Hoffnung & Secretarius Aak“, in deren Grubenfeld auch der „Problemstollen“ liegt. Präzise kartographiert ist diese Bergbau-Hinterlassenschaft, die gut 160 Jahre später soviel Durcheinander verursacht, nicht.

Vieles deutet daraufhin, dass der Stollen das Ergebnis von illegalem Bergbau ist

Ist der etwa 24 Meter unter den Gleisen liegende Stollen möglicherweise das Ergebnis von illegalem Bergbau? Vieles deutet daraufhin. Für „wilden Bergbau“, der in den Anfängen des tagesnahen Steinkohlenbergbaus sehr häufig war, müsste aber nicht die RWE-Tochter, sondern das Land haften.

Die jäh ausgebremste Bahn sieht sich eindeutig in der Rolle der Geschädigten. „Vom Bergschaden sind täglich rund 550 Züge durch Verspätungen, Umleitungen, Ausfälle und Teilausfälle betroffen“, bilanziert Sprecher Torsten Nehring.

BergbauDer betriebswirtschaftliche Schaden für die Bahn dürfte am Ende im siebenstelligen Bereich liegen, sind sich die Experten sicher. „Nicht erbrachte Leistungen im Regional- und S-Bahn-Verkehr werden ja vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr nicht vergütet“, sagt Lothar Ebbers, Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn NRW. Nicht nur Trassengebühren entfielen, sondern auch die „Stationspreise“ für jeden Halt am Bahnhof. Weil die S 3 etwa den Bahnhof Frohnhausen nicht mehr ansteuere, verliere die Bahn hier täglich rund 300 Euro. Noch höher seien die Ausfälle am Bahnhof Essen-West, wo auch die S 9 nicht mehr halte. Insgesamt sei der S-Bahnverkehr in Essen derzeit halbiert.

Der weitaus geringste Posten in diesem addierten Millionenschaden sind die Schadensersatzansprüche, die Reisende bei Zugausfällen und Verspätungen geltend machen können. Bahnsprecher Nehring verspricht: „Die Leute werden auf keinen Fall auf ihren Kosten sitzen bleiben.“

 
 

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