Land belebt Linie 105 zwischen Essen und Oberhausen

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Essen/Oberhausen.. Das Verkehrsministerium räumt der Verlängerung der Straßenbahntrasse von Essen nach Oberhausen jetzt gute Chancen ein. Die Pläne für die Verlängerung der Straßenbahnlinie sind inzwischen acht Jahre alt. Die Trasse kostet rund 65 Millionen Euro.

Totgesagte leben länger! Nach diesem Motto hat die Landesregierung in Düsseldorf die Verlängerung der Straßenbahnlinie 105 von Frintrop bis in die Neue Mitte Oberhausen wieder aufs Gleis gesetzt. Das Verkehrsministerium habe die rund vier Kilometer lange Gleisstrecke in den Infrastrukturbedarfsplan des Landes aufgenommen, teilte der parlamentarische Staatssekretär Horst Becker mit und ließ eine entsprechende Presseverlautbarung seines Hauses so überschreiben: „Straßenbahn-Netzschluss im Ruhrgebiet geht voran.“ Eine Anmeldung des Projektes für das Förderprogramm des Bundes stehe nichts mehr im Wege, so Becker. Das Land, so ergänzt ein Sprecher des Ministeriums, im Gespräch mit dieser Zeitung, stuft die Chancen auf den Bau der Straßenbahnlinie als „sehr positiv“ ein.

Während Essens grüner Bürgermeister Rolf Fliß in einer ersten politischen Stellungnahme von einer „großartigen Nachricht“ spricht, „auf die wir seit über zehn Jahren gewartet haben“, reagiert Rainer Suhr, Sprecher der Nachbarstadt Oberhausen, zurückhaltend: „Wir freuen uns verhalten.“

„Wer guten Service bietet, der behält seine Kunden"

Die Pläne für die Verlängerung der Straßenbahnlinie seien inzwischen acht Jahre alt. Weil die schwarz-gelbe Landesregierung unter dem damaligen Verkehrsminister Oliver Wittke in der Verkehrspolitik andere Prioritäten setzte, verschwanden die Pläne in der Schublade. Unter Rot-Grün hat der Öffentliche Personen-Nahverkehr Konjunktur. Doch viel Zeit ist inzwischen verstrichen. Mit Folgen: Ein Planfeststellungsbeschluss ist inzwischen ungültig, weil die Frist von fünf Jahren verstrichen ist, ohne dass ein Stein bewegt worden wäre. Rechtlich ließe sich dies wohl heilen, so eine erste Einschätzung aus dem Oberhausener Planungsdezernat. Baurecht muss jedenfalls erst noch geschaffen werden.

Ein Fragezeichen setzt Oberhausen auch hinter die Finanzierung. Die Stadt hatte ursprünglich mit Baukosten in Höhe von knapp 60 Millionen Euro kalkuliert. Nach Angaben der Landesregierung dürfte die Trasse inzwischen 65 Millionen Euro kosten. Zwar hat ein Gutachter für das Projekt einen hohen Kosten-Nutzen errechnet, doch selbst bei einer 90-prozentigen Förderung müsste das klamme Oberhausen noch immer einen beträchtlichen finanziellen Eigenanteil tragen. „Die Frage ist, dürfen wir das“, sagt Sprecher Rainer Suhr. Oberhausen steht unter Nothaushaltsrecht.

In naher Zukunft dürfte die „105“ noch nicht zwischen Frintrop und Oberhausen fahren. Auch deshalb nahm Christian Plassmann, Sprecher der Werbegemeinschaft Essen-Frintrop, die Botschaft aus Düsseldorf mit selbstbewusster Gelassenheit auf. In der Vergangenheit hatte die Frintroper Kaufmannschaft die Pläne stets mit Sorge und Ablehnung begleitet. Wachsam müssten die Einzelhändler bleiben, so Plassmann. Im positiven Sinne. „Wer guten Service bietet, der behält seine Kunden.“ Und eine Straßenbahn bringe möglicherweise ja auch neue.

 
 

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