Ladenhüter in Schwarz-Rot-Gold

Im Geschäft Trendy:Christpher Lehr und Kundin Raquel Lopez Diaz, die sich ein Oberteil ausgesucht hat. Foto: Kerstin Kokoska
Im Geschäft Trendy:Christpher Lehr und Kundin Raquel Lopez Diaz, die sich ein Oberteil ausgesucht hat. Foto: Kerstin Kokoska
Foto: WAZ FotoPool
Fanartikel-Verkauf läuft nur langsam an: Im Gegensatz zur WM 2010 hat er kaum Einfluss auf die Umsätze im Einzelhandel.

Essen. Kurz vor dem Anpfiff zur Fußballweltmeisterschaft der Frauen klagt der Essener Einzelhandel über die geringe Nachfrage von Fanartikeln. Während der Einzelhandelsverband Ruhr berichtet, das Geschäft mit Autofähnchen und Trikots laufe langsam an, ist das Bild in den Essener Fußgängerzone ein anderes: Der Verkauf sei schleppend, heißt es vielerorts, weshalb viele große Geschäfte kaum Fanartikel führen und sich das Angebot vor allem in Billiggeschäfte zurückgezogen hat. Adburrahim Sengul, Geschäftsführer von „Trendy“, sagt: „Wenn wir in diesem Jahr nur rund 30 Prozent des Umsatzes der letzten Männer-WM erreichen, sind wir schon zufrieden.“

2010 machte der Handel mit Fußballartikeln rund ein Viertel des Gesamtumsatzes im Sportartikelmarkt aus, vier Jahre zuvor boomte der Verkauf von Fanartikeln geradezu. Weitaus geringer sind die Prognosen zur diesjährigen Frauen-Meisterschaft, die die WM keinesfalls als bedeutenden Wirtschaftsfaktor sehen.

"Kaum etwas vorbereitet"

Javier Villalba, Essener Filialleiter des Sportartikelgeschäfts „Fan and More“, wartet bis zum ersten Spielerfolg der Frauen. „Sobald wir das erste Mal gewonnen haben, läuft der Verkauf an“, ist sich Villalba sicher. Im Zentrum seines Ladenlokals steht eine Schaufensterpuppe mit dem Mannschaftstrikot der Frauen - in anderen Geschäften muss der Kunde hingegen geradezu suchen, eh er seine Fanartikel findet: Lagen etwa Bücher zum Fußball 2010 noch direkt am Eingang einer Buchhandlung, müssen Kunden heute explizit danach fragen – und die Verkäuferin im Computer nach Titeln suchen. „Die Verlage haben kaum etwas vorbereitet“, entschuldigt eine Verkäuferin der Mayersche Buchhandlung.

Viele Handelsketten haben komplett auf Fanartikel verzichtet. Dina Coralic leitet eine Filiale des Handelsunternehmens „Butlers“. „Zur Weltmeisterschaft vor einem Jahr hatten wir einige Fanartikel im Angebot, diesmal gibt es nichts.“ Warum? „Eine Entscheidung der Geschäftsführung.“ Schleppend sei die Nachfrage auch in der Galeria Kaufhof. Weitaus geringer sei die Auswahl von Schals und Mützen im Vergleich zur Meisterschaft 2010, auch bei den Stückzahlen habe man diesmal eher zurückhaltend bestellt, so ein Mitarbeiter des Kaufhauses. „Zur Zielgruppe gehören vor allem Frauen, das Angebot hat sich also etwas verändert. Wir verkaufen diesmal zum Beispiel Aufkleber für Fingernägel und Haarbänder.“ Die Nachfrage sei gering. „Diese Meisterschaft ist einfach noch nicht groß genug.“

Trikots laufen am besten

Marc Andre Heistermann, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands kann das nicht bestätigen: „Wir haben von vielen Einzelhändlern erfahren, dass das Geschäft zwar langsam, aber sicher anläuft.“ Besonders gut gehen wie bei der Weltmeisterschaft der Männer im vergangenen Jahr Spieler-Trikots. „Für viele sind das bleibende Andenken, die man im Gegensatz zu den Blumenketten und Fahnen auch später noch trägt.“

Angela Giersch hat sich trotzdem eine Blumenkette gekauft. Dazu trägt die 49-Jährige eine Perücke – Fahnen habe sie vom vergangenen Jahr noch zu Hause. „Ich hätte ja gerne etwas Ausgefalleneres als die Blumenkette hier genommen, in diesem Jahr gibt es aber viel weniger zu kaufen als zur Männer-WM.“ Ärgert sie das? „Nein, um die Mannschaft anzufeuern, reicht das hier.“ Auf dem Burgplatz wird Giersch am Sonntag den Anpfiff der Frauen-WM erleben. Gibt’s einen Tipp? „Gewinnen natürlich.“

 
 

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