Kuwait streitet mit Krupp-Krankenhaus über Rechnungen

Das Alfried Krupp-Krankenhaus nimmt Patienten im Auftrag des kuwaitischen Generalkonsulats nicht mehr auf.
Das Alfried Krupp-Krankenhaus nimmt Patienten im Auftrag des kuwaitischen Generalkonsulats nicht mehr auf.
Foto: Essen
  • Generalkonsulat des Golfstaats prangert „eklatant falsche Rechnungen“ an
  • Das Krankenhaus reagierte auf Außenstände mit einem Aufnahmestopp
  • Medizin-Tourismus von Kuwait nach Rüttenscheid droht über den Streit zu scheitern

Essener Kliniken profitieren zunehmend von Patienten aus aller Welt, Medizintourismus gilt als Job-Motor der Gesundheitsbranche. Doch es sind auch Rückschläge zu vermelden – wie jetzt am Alfried Krupp-Krankenhaus. Dort steht die erst vor elf Monaten begonnene Zusammenarbeit mit dem Golfstaat Kuwait quasi vor dem Aus. Ein heftiger Geld-Streit ist der Grund für das Krupp-Kuwait-Zerwürfnis.

Rolf Radzuweit, ein pensionierter Klinik-Chef, erhebt als Bevollmächtigter des Gesundheitsbüros des Kuwaitischen Generalkonsulats schwere Vorwürfe gegen die Geschäftsführung der Rüttenscheider Klinik. 13 Seiten umfasst sein gepfefferter Beschwerdebrief, der in Durchschrift auch dem NRW-Gesundheitsministerium, dem OB, der Ärztekammer Nordrhein und dieser Zeitung vorliegt. Darin prangert er „eklatant falsche“ Rechnungen und „Tatbestände des Wuchers“ an. Diese vermeintlichen „Ungereimtheiten bei der Höhe der Abrechnungen“ hätten dazu geführt, dass die „Bezahlung von Rechnungen zur näheren Prüfung Ende März 2016“ gestoppt wurde. Diesen Sachverhalt bestätigt auch das Krankenhaus. Bislang seien noch nicht alle Rechnungen kuwaitischer Patienten durch das Generalkonsulat beglichen worden, heißt es in der Stellungnahme. Überdies seien die Rechnungen allesamt korrekt gewesen. „Die Rechnungshöhe entspricht den vertraglich vereinbarten Vorgaben“, erklärt das Krankenhaus. Radzuweit beziffert die noch fälligen Außenstände mit rund 600.000 Euro.

"Patienten sind weg und kommen nicht mehr wieder"

Unbestreitbar sind die vorläufigen Konsequenzen des Geldstreits. „Bis zur Klärung der Rechnungsfragen werden zunächst keine neuen Patienten im Auftrag des kuwaitischen Generalkonsulats aufgenommen“, stellt das Krankenhaus klar. Radzuweit wiederum tadelt diesen Schritt als „Patienten-Embargo“ und „Geiselhaft“, wovon in Essen etwa 30 kuwaitische Patienten und ihre Angehörigen betroffen seien. „Völlig verzweifelte, schwer erkrankte und bereits teils vom Krupp Krankenhaus vordiagnostizierte Patienten mit voraussichtlichen OP-Terminen antichambrierten wütend und verzweifelt in der kuwaitischen Botschaft“ – und auch im eigens für die Kuwaitis eingerichteten Verbindungsbüro im Krankenhaus selbst.

Anwürfe, die das Essener Krankenhaus entschieden zurückweist. Vom Aufnahmestopp seien „keine Akut- oder Notfälle betroffen“. Ferner heißt es, man käme seiner Behandlungspflicht „im Rahmen seines Sicherstellungsauftrags für das Versorgungsgebiet ohne Ausnahme uneingeschränkt nach“. Der Kuwait-Bevollmächtigte schlägt in seinem Brief jedoch einen unerbittlichen Ton an, indem er zusammenfassend „den Anfangsverdacht des gewerbsmäßiges Betruges, der Nötigung und der unterlassenen Hilfeleistung gegenüber der Geschäftsführung“ hegt.

Trotz dieses ruppigen Tons schien es zwischenzeitlich, als könnten der Rechnungsstreit beigelegt und der Aufnahmestopp aufgehoben werden. Davon war jedoch zuletzt keine Rede mehr, inzwischen stehen die Zeichen eindeutig auf Trennung. „Die Patienten sind weg und kommen nicht mehr wieder, das Thema ist durch“, sagt Radzuweit, und fügt hinzu: „Das Vertrauensverhältnis ist irreparabel zerstört.“

 
 

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