Kulturloge greift Idee der Tafeln auf

Claudia Pospieszny
Auch für das Varieté GOP vergibt die Kulturloge Karten.
Auch für das Varieté GOP vergibt die Kulturloge Karten.
Rund 300 Menschen, die in wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen leben, nutzen regelmäßig das Angebot der Kulturloge, eines Vereins, der den Tafelgedanken aufgreift, nur werden statt Lebensmitteln Karten für den Kulturbetrieb vergeben.

Essen. Die Idee der Kulturloge ist einfach aber effektiv: Menschen mit schmalem Budget bekommen kostenlos Tickets für Kino, Theater, Konzerte und Varieté. Damit gewinnt der Kulturbetrieb Gäste, die teils noch nie ein Theater oder eine Ausstellung besucht haben. Und der Künstler – schauspielert nicht vor leeren Sitzen.

Das Prinzip ist dem der Tafeln nicht unähnlich, es wird umverteilt, was übrig ist, nur eben keine Lebensmittel, sondern Karten für GOP und Lichtburg, für Extraschicht, Ruhrtriennale, Kunsthaus Essen, Schubert-Bund und weitere Spender. „Das charmante an der Idee ist ja, dass wir nicht wie sonst üblich Freikarten oder ermäßigte Preise anbieten“, sagt die Vorsitzende des Logenvereins Antonia Illich. Ausgegeben werden reguläre Karten, ohne dass der Hilfeempfänger seine schlechte wirtschaftliche Situation an der Theater-Kasse nachweisen muss.

Deutschlandweit entstehen Logen

In Marburg startete die erste Loge Anfang 2010, seither haben sich der Idee deutschlandweit Städte angeschlossen. „Als wir hier in Essen die Loge gegründet haben dachten wir, dass es schwierig wird, Kulturschaffende dafür zu begeistern“, sagt Illich. Doch die seien sofort überzeugt gewesen. Schwieriger war es, Abnehmer für die Tickets zu finden. Der Kontakt zu Wohngeld- und Hartz IV-Empfängern oder zu Menschen mit schmaler Rente fehlte den Logenmitgliedern schlicht.

„Also haben wir uns an soziale Einrichtungen gewandt.“ Bei der Tafel fanden sich rasch Interessenten, ebenso bei Caritas und Diakonie. „Der Vorteil ist, dass die Menschen dort schon als hilfebedürftig registriert sind, und sich darum bei uns nicht noch einmal mit bürokratischem Aufwand outen müssen.“ Verzichten könne die Kulturloge auf den Nachweis nicht , „das sind wir schon unseren Veranstaltern schuldig“, so Illich.

Tickets stehen meist eine Woche vor der Veranstaltung bereit

Ist man einmal registriert, kann man ohne großen Aufwand Kontakt zum Verein aufnehmen. „Die Leute sagen uns, welche Veranstaltungen sie besuchen möchten, wir tragen es in eine Datenbank ein und wenn ein Angebot z.B. fürs Kino reinkommt, rufen wir die Gäste an und bieten die Karten an.“ Rund eine Woche vor dem Veranstaltungstag würden die Tickets der Kulturloge meist bereits zur Verfügung gestellt, „die Veranstalter können dann schon ganz gut abschätzen, wie sich die Auslastung entwickelt.“ Doch es gibt auch die Veranstalter, die so überzeugt von der Logen-Idee sind, dass sie für jedes ihrer Events vier Tickets ausgeben. „Ist der Abend dann ausverkauft, werden vier Stühle mehr in den Saal gestellt.“ Besonders bemerkenswert findet Illich zudem das Engagement kleiner Anbieter. „Studio-Bühne und Theater Freudenhaus sind auf jeden Euro angewiesen. Trotzdem machen sie mit.“

Wer sich als Gast bei der Kulturloge anmelden möchte, kann dies via Internet tun: www.kulturloge-ruhr.de.