Wenn Romeo online geht

Dominique Siassia (links) und Ole Eisfeld verlieben sich beim E-Mail-Schreiben in „Gut gegen Nordwind“.
Dominique Siassia (links) und Ole Eisfeld verlieben sich beim E-Mail-Schreiben in „Gut gegen Nordwind“.
Foto: WAZ FotoPool
Das Buch war ein Bestseller. Das Essener Rathaus-Theater zeigt nun die Bühnenfassung von „Gut gegen Nordwind“.

Essen.. Liebesbriefschreiben in Zeiten des Internets: Mit „Gut gegen Nordwind“, hat Autor Daniel Glattauer 2006 den Roman der Generation Online-Dating geschrieben und sich gleichzeitig doch angenehm abgehoben von den Banalitäten elektronischer Partnersuche-Prosa und abgehackter Netz-Rhetorik.

Ein Liebesroman, nur aus E-Mails, das klingt nicht unbedingt nach sattem Bühnenfutter. Und doch hat die Theaterfassung des Bestsellers längst seinen Siegeszug auf den Bühnen zwischen Berlin und Frankfurt angetreten. Ab Sonntag, 3. März, ist „Gut gegen Nordwind“ im Rathaus-Theater zu sehen. Und Regisseur Peter Kühn, der Heyme-Vertraute, Folkwang-Dozent und frühere Zadek-Assistent gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er über den Roman, mehr noch über die klug gestraffte Bühnenfassung spricht, die für ihn „intelligent, aber nicht intellektuell“ daherkommt. Für einen „Sprachfanatiker“ wie Kühn ist dieser digitale Flirt ein Glücksfall: „Da stimmt jedes Wort.“

„Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen“

Vor allem ist der Abend eine echte Herausforderung für die Schauspieler Dominique Siassia und Ole Eisfeld. Denn die zwei haben – einer E-Mail-Liaison gemäß – auf der Bühne weder Blick- noch Körperkontakt. Entsprechend konzentriert läuft der Dialog mit Bühnentrennwand ab. „Ich hab den Romeo gespielt und lauter große Rollen, aber dieser Stoff stellt schon Höchstanforderungen“, versichert Eisfeld. „Man inszeniert gleichzeitig zwei Stücke“, erklärt Kühn das anspruchsvolle Arbeiten. Nur der Zuschauer hört und sieht alles, wie sich Emmis und Leos Träume und Leidenschaften nicht nur in schönen Sätzen, sondern auch in ihrer Körpersprache ausdrücken. „Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen“, heißt es ja im Buch.

Und so ist dieser Abend eine Ode an den altehrwürdigen Briefroman und gleichzeitig auch eine moderne Liebesgeschichte aus der Online-Welt. Das Signet „Frauenbuch“ will die in Duisburg geborene und an der Folkwang-Hochschule ausgebildete Dominique Siassia dabei nicht stehen lassen. Einige Männer, die bislang in der Vorstellung waren, haben jedenfalls vorbildlich reagiert – und danach schöne Mails geschrieben.

Termine: 3. bis 16. März und 21. März bis 17. April. Karten: 24 555 55

 
 

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