Von der Avantgarde zum Mainstream

Das Grend in Steele in einer Aussenansicht.  Foto: Oliver Müller / WAZ FotoPool
Das Grend in Steele in einer Aussenansicht. Foto: Oliver Müller / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Essen-Steele.. Im Mainstream angekommen ist das Grend: Vor 15 Jahren als Teil der alternativen Szene gestartet, hat sich das soziokulturelle Zentrum im Herzen Steeles zu einer festen Größe im Kulturbereich der Stadt mit fast konservativ zu nennendem Programm entwickelt - Boulevardkomödien und Popmusik statt Avantgarde und Experimente.

„In Zeiten, in denen der ehemalige Intendant das Grillo mit seinen Jugend- und Seniorenprojekten als größtes soziokulturelles Zentrum bezeichnen kann, müssen wir uns ständig neu erfinden“, so Johannes Brackmann, Geschäftsführer des Grend. Schließlich sei die städtische Förderung seit zehn Jahren eingefroren, was den Spielraum erheblich einschränke. Die Folge: Nicht wenige ambitionierte Projekte, die in den vergangenen 15 Jahren aus der Taufe gehoben worden sind, mussten begraben werden. So wurde die vom Haus seit 1996 herausgegebene Mitmach-Stadtteilzeitung Grend-Blatt“ nach 67 Ausgaben „aus personellen und finanziellen Gründen“ eingestellt. Auch der 1997 eingerichtete Medienbereich musste 2002 aufgeben werden. Stadtteilprojekte wurden immer mehr eingeschränkt. Jüngstes Opfer: Die Weltmusik-Reihe „Klangkosmos“ im Grend wird in diesem Herbst nach 15 Jahren eingestellt, „wegen immer geringerer Fördertöpfe“, bedauert Markus Meyer, Leiter des Konzertbereichs.

Doch wo Schatten ist, ist auch Licht: So hat das Theater Freudenhaus mit Sigi Domkes „Freunde der italienischen Oper“ einen echten Dauerbrenner im Programm. Dieser war es auch, der die Ausrichtung der Bühne auf Ruhrgebiets-Schwanke begründete. „Doch nicht nur Domke, auch Weber und Beckmann sind bei uns groß geworden“, so Brackmann. „Talentförderung war immer ein wichtiger Punkt im Grend.“ So denkt Markus Beutner-Schirp, Intendant des Theater Freudenhaus, laut über einen Autorenwettbewerb nach – wohl auch um die Lücke zu schließen, die Domkes Weggang hinterlassen wird: Sein neuestes Werk „Unter Lappen“ soll das letzte Stück für das Theater Freudenhaus sein – eine Reaktion darauf, dass die Steeler Bühne seinem einstigen Hausautor untersagt hat, die „Freunde der italienischen Oper“ unter diesem Titel auch im Herner Mondpalast laufen zu lassen.

Darüber hinaus hat das Grend 2005 das deutsch-türkische Literaturfestival „LiteraTürk“ gegründet. Das Theaterpädagogische Zentrum feierte seinen 10. Geburtstag. Und zum Kulturhauptstadtjahr organisierte das Kulturzentrum die deutschsprachige Poetry-Meisterschaft im Ruhrgebiet. Auch die integrativen Singlepartys haben sich fest etabliert.

900 000 Besucher kamen laut Brackmann in den vergangenen 15 Jahren zu 10 000 Veranstaltungen. Einen Boom habe zudem das Gästehaus erlebt. „Da haben wir sicherlich vom Kulturhauptstadt-Image profitiert.“ Schlechter sieht’s für die Gastwirtschaft aus: Zum Jahresende zieht der fünfte Pächter aus und schließt damit das El Patio. Im Februar 2012 soll eine neue Gastronomie mit überarbeitetem Konzept eröffnen.

Und was bringt die Zukunft? Ein munteres „weiter so“? „Das wäre tödlich“, so Brackmann. „Um uns neu zu erfinden, bräuchten wir jedoch mehr Mittel.“ Jeder klopfe dem Grend-Team anerkennend auf die Schultern, aber Geld rückten sie nicht raus. „Dabei reden wir von vergleichsweise kleinen Summen.“ Auf jeden Fall wolle man sich wieder stärker im Stadtteil verankern. „Das Kulturhauptstadtprojekt ,Kein Wasser runterschütten‘ und die Gründung der Steele 2010-AG haben die Grundlage gebildet, dieses Engagement auf eine andere Ebene zu heben“, erläutert Brackmann. So habe man eine Produktionsgemeinschaft gegründet, um im kommenden Jahr erneut ein Großprojekt in Steele zu initiieren.

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