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„Verpiss dich gewiss“ in der Casa Essen

Letzte Hoffnung Würstchenbude

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verpiss dich gewiss Foto: Thilo Beu
Sex, Lügen und Gammelfleisch: Matthias Kaschig inszeniert Hartmut Musewalds Volksstück „Verpiss dich gewiss“in der Casa Essen. Das Stück war Sieger der 1. Essener Autorentage und vereint eine eigenwillige Mischung aus derbem Volksstück und ruppiger Farce.

Essen. 

Es gibt die Klassiker-Pfleger im deutschen Theater, die Schiller und Shakespeare immer wieder die Kissen frisch aufschütteln, damit sie im Repertoirebetrieb weiterleben. Und es gibt die Geburtshelfer der neuen deutschen Dramatik. Regisseure wie den 36-jährigen Matthias Kaschig. Er schaut nach den besten Anlagen des Bühnenneulings und gibt Hilfestellung bei den ersten Bühnenschritten. Wobei der Begriff Laufenlernen im Falle von Hartmut Musewald etwas abwegig klingt.

Musewald ist 62, ein gestandener Schreiber aus Schwerin, der jahrelange als Lokaljournalist gearbeitet hat und später als Pressefotograf. „Verpiss dich gewiss“, das Stück, mit dem er im vergangenen Jahr die Jury der ersten Essener Autorentageüberzeugen konnte, ist nicht seine erste Arbeit. Musewald hat schon mehrere, bislang allerdings unveröffentlichte Krimis und einige Theaterstücke geschrieben. Ob „Verpiss dich gewiss“ sein später Durchbruch wird, soll sich am Freitag bei der Uraufführung in der Casa herausstellen.

Erst kommt das Fressen, dann die Moral

Da geht es um die Wurst, buchstäblich. Erst kommt mal wieder das Fressen und dann die Moral. Denn Godehard, der nach Jahren ohne festen Job und Freundin plötzlich doch noch im Würstchenbuden-Imperium seines Chefs Herbert aufsteigen könnte, kommt sein Gewissen in die Quere. Weil sein Chef die schleimgammeligen Würste nach Behandlung mit Arsenlauge noch mal auf den Grill wirft, würde sich Godehard als Mitwisser die Hände schmutzig machen.

Während seine Freundin Ilse von einer besseren Zukunft mit Kind und Silikonbrüsten träumt, muss Godehard handeln. Der Ausgang ist blutig.

Musewalds eigenwillige Mischung aus derbem Volksstück und ruppiger Farce hat Kaschig vor allem mit seiner ganzen Lebenserfahrung und dem „Mut zur Eigenart“ überzeugt. Bei jungen Autoren spüre man häufig, an welcher Schreibschule sie sich orientieren würden.

Sprachlicher Furor

Musewald bringe zwar nicht so viel Theatererfahrung mit, sei mit all seinem sprachlichen Furor, den „Obernulpen“ den „Matschhirnpflaumen“ und „Zeitsklavenjobs“ dabei „böser als mancher junge Autor“, findet Kaschig . Der 36-Jährige schätzt auch an dem Stück, dass es gar nicht so sehr auf Botschaft, auf Kunstanstrengung, auf Ambition schiele, sondern ein eigenes Anliegen habe, den Leuten lieber aufs Maul schaue. „Und wir müssen aufpassen, dass wir vor lauter Ambition keine Kunstübung daraus machen“, hat sich der Regisseur vorgenommen. Der Autor wird bei der Uraufführung natürlich anwesend sein.